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Nach
dem 1. Weltkrieg erschwerte sich die Brandbekämpfung enorm.
Das Korps musste auf 15 Mann, die dieses Unglück nicht
überlebten, verzichten. Die Brandunglücke in der
Nachkriegszeit waren weitaus häufiger als während des
Krieges.
Im Jahr 1913 fand das 45. Jahresfest statt. Nachmittags gab es einen
Festumzug durch die Stadt mit einem abendlichen Ball, bei dem sich
über 200 Personen im Saale des Bürgervereins
einfanden.
Zwei Brände waren in diesem Jahr zu verzeichnen, am 22.
Februar brannte es beim Tischlermeister Müller auf dem
Darrplatz und am 4. Juli brannte der Keller bei der Fa. Ludwig
& Winkler.
1914 wurden sämtliche Druckschläuche mit
Giersberg-Kupplungen bestückt und es wurde mit der Errichtung
einer elektrischen Alarm- und Meldeeinrichtung von der Firma Siemens
& Halske begonnen. Diese konnte, bedingt durch den 1.
Weltkrieg, erst 1919 in Betrieb genommen werden. Sie bestand aus 3
Weckerschleifen in Freileitungsbauweise, welche vorerst ohne
öffentliche Feuermelder, sondern ausschließlich mit
Alarmweckern in den Wohnungen der Feuerwehrmänner betrieben
wurden. Die Schleifen liefen in der Polizeiwache im Rathaus zusammen,
von hier erfolgte die Bedienung und Alarmierung der Feuerwehrleute.
| Das
50-jährige Bestehen
Um
den Tag nicht ganz unbemerkt vorübergehen zu lassen, hatte
Brandmeister Bräuning am 16. März 1918 die noch
anwesenden Kameraden zu einer Versammlung geladen. Vor Eintritt in die
Tagesordnung wünschte er, dass das Kriegselend bald ein Ende
nehmen möchte, damit auch das Korps der Allgemeinheit wieder
wie früher dienen könne. In längerer
Ausführung gedachte Bräuning dem Bestehen der
Freiwilligen Feuerwehr, die heute ihr 50-jähriges Bestehen
feiern könnte, wenn nicht der Krieg gekommen wäre.
Der einzige Kamerad von 1868, der sich noch aktiv im Dienst befindet,
war Zeugmeister Sattler. Das Korps zählte jetzt noch 38 aktive
Mitglieder. Außer ihnen zogen 84 Mann ins Feld oder standen
sonst im Heeresdienst. Von diesen 84 fielen 15 Mann. Das Korps
zeichnete folgende Kameraden aus:
Für 25 Jahre Dienst den Oberfeuerwehrmann Otto Reime, den
Oberfeuerwehrmann Karl Albrecht, den Feuerwehrmann August Weichner, den
Musiker Karl Hammerschmidt und den Feuerwehrmann August Laux. Sie
bekamen Ehrenurkunden in Glas und Rahmen.
Laut Zeitungsartikel der Apoldaer Volkszeitung:
"Eine Apoldaer Freiwilligentruppe, die sich in der langen Zeit ihres
Bestehens die Achtung aller Kreise erworben hat, feierte ihr 51.
Stiftungsfest am 21. Juli 1919. Es war dies die Freiwillige Feuerwehr,
eines jener gemeinnützigen, die praktische
Nächstenliebe verkörperndes Institut, ohne das wir
uns die Stadt gar nicht mehr denken können. Ist sie es doch,
die bei der Entfesselung eines der gefährlichsten Elemente den
Einwohnern Rettung und Hilfe bringt. Infolge des Krieges und der sich
durch die Einberufung eines großen Teiles der Mitglieder
ergebenden Schwächung war es seit 1914 das erste Mal,
daß sich die Wehr mit einer größeren
Übung an der Öffentlichkeit wieder zeigen konnte.
Desto erfreulicher ist es zu begrüßen, daß
sie ihre Leistungsfähigkeit, wie sie bei der Übung an
der Zimmermannsfabrik zeigte, vollständig bewahrt hatte. Es
war eine Freude zu sehen, wie wenige Minuten nach dem Eintreffen der
Wehr auf dem "Brandplatz" schon die ersten Menschen durch den
Rettungsschlauch, Seil und über die mechanische Schiebeleiter
gerettet wurden und wie gleichzeitig auch schon der erste Wasserstrahl
den Brand bekämpfte und dabei vollzog sich alles mit einer
Präzision und Ruhe, kein lautes Kommando, ein Zeichen, ein
Pfiff, ein Signal und die verlangte Übung wurde rasch und
sicher durchgeführt. Man kann nur Herrn Bezirksbrandmeister
Bräuning und seinen Korps alle Anerkennung für das
Gezeigte aussprechen und das umso mehr, als das Korps sich
offensichtlich verjüngt und das musterhafte Verhalten der
jungen Leute bewies, dass sie eine gute Ausbildung erhielten. ..."
Vor der Übung zum 51. Stiftungsfest fand eine Besichtigung der
Wehr auf dem Marktplatz durch den Landesbrandmeister statt. Am
Nachmittag waren die Mitglieder des Korps und deren Familien im
Armbrustgarten bei Konzertmusik versammelt.
Seit dem 23. Juli des Jahres 1919 wurde täglich die
Alarmierung um 1 Uhr mittags kontrolliert, bei Nichtfunktionieren der
Klingel war dem Brandmeister sofort Meldung zu machen.
Am 20. Oktober fand die Herbstschlussübung statt. Der
Oberbürgermeister, der Gemeinderat und andere
behördliche Gäste erschienen und verfolgten den
vorgelegten Brandplan. Dabei wurde ein Blitzschlag und ein
Feuerausbruch im Amtsgericht simuliert. Nach Eintreffen der
Freiwilligen Feuerwehr sollten sie die Akten aus der 2. Etage retten.
Da der Korridor vollständig verqualmt war, war die Rettung der
Akten nur mit Hakenleitern und Rettungsschlauch möglich. Sie
wurden durch die Pflichtfeuerwehr in Körbe gepackt und in
Sicherheit gebracht. Die Hakenleitermannschaft sicherte sich durch
rechtzeitiges Vornehmen der Schlauchleitung. Als weitere
Geräte folgten die Stützleiter und die zweite
mechanische Leiter. Die Stützleitermannschaft deckte das
Gefangenenhaus und bekämpfte den Dachstuhlbrand.
Die Mannschaft der Leiter 2 bekämpfte den Brandherd auf der
Südseite des Gebäudes. Da sich das Feuer auch im
Mittelhaus ausbreitete, musste die mechanische Leiter 1 und die
Schlauchleitung in Tätigkeit treten. Nach Eindämmung
des Brandherdes im Dachgeschoss wurden die Geräte
zurückgenommen. Nach dieser Übung sprachen der
Brandmeister, der Oberbürgermeister und der Oberamtsrichter
ihren Dank und Anerkennung aus.
Im Juni des Jahres 1920 fand die Gedenkfeier für die
gefallenen Feuerwehrleute statt. Getrauert wurde um Paul Straube,
Martin Fritz, Arno Büchner, Wilhelm Behring, Otto Altmann,
Otto Mühle, Karl Tetzel, Hermann Bräuning, Hugo
Haase, Paul Kaufmann, Paul Tetzner, Fritz Bergmann, Paul
Mühle, Robert Schmidt und Paul Meyer Heyn. Teilgenommen haben
der Bezirksdirektor Herr Leutloff und Herr Schwarze. Es waren der
Gemeinderat, der Landesbrandinspektor, der Ortsbrandmeister,
Angehörige der Gefallenen, Ehrenmitglieder und Vertreter der
Nachbardorfwehren anwesend.
Der Pfarrer Neumaerker hielt die Ansprache. Die Namen der Opfer wurden
auf einer Tafel verzeichnet unter dem altbewährten Spruch:
"Gott zur Ehr`, dem Nächsten zur Wehr".
Eine Beratung über die Anschaffung eines
Automobillöschzuges im Wert von 260.000,00 Reichsmark
(13293,58 Euro) fand im Jahr 1921 statt. Diese konnte im Haushaltsplan
nicht mehr untergebracht werden und wurde auf das nächste Jahr
vertagt.
Am 28.und 29. Dezember 1921 gegen 21.30 Uhr brach ein Brand in der
Planstraße aus. Die Scheunen vom Fleischermeister Flachsbarth
und Zimmermann Müller brannten in voller Ausdehnung.
Der Bezirksbrandmeister Bräuning setzte entsprechend der Lage
die Kräfte zum Schutz der angrenzenden Posernschen Scheune
ein, um so eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Trotz Sturm war
dieses möglich, da der Giebel aus rohen Feldsteinen bestand.
Nach Löschung des Brandes, rückte der
größte Teil der Feuerwehrmänner ins Depot
ab. Als Brandwache blieben 10 Feuerwehrmänner unter
Führung von Brandmeister Ehrhardt zurück. Nach Beginn
der Ablöschung der letzten Brandnester, gegen 0.30 Uhr
stürzte die Giebelwand der Scheune ein. Das geschah so
schnell, dass sich Brandmeister Ehrhardt und die
Oberfeuerwehrmänner Otto Reime und Karl Stein nicht mehr in
Sicherheit bringen konnten. Die restlichen Kameraden begannen sofort
mit den Bergungsarbeiten. Es gelang ihnen Brandmeister Ehrhardt schwer
verletzt aus den Trümmern zu retten.
Die Feuerwehrleute
Otto Reime (30 Jahre Feuerwehrmann,47 Jahre alt
hinterließ 2 Kinder und Frau Maria,
geb. Müller) und Karl Stein (26 Jahre Feuerwehrmann, 56 Jahre
alt hinterließ Frau Anne, geb. Rinow)
konnten jedoch nur noch tot, auf dem Grundstück der
Ehrenmitglieder Artur und Louis Posern, geborgen werden.
Die Brandursache war eindeutig festzustellen. Das Feuer entstand nicht
durch einen Unfall, sondern wurde vorsätzlich gelegt. Ein
Apoldaer Arbeiter besaß damals ein Kind, welches an
Bettnässe litt. Der ständige Geldmangel der Familie
ermöglichte es nicht, eine undurchlässige Unterlage
zu kaufen. Der Vater entschloss sich darauf hin, das
Schoßleder des Kutschwagens zu verwenden. Am späten
Abend des 21. Dezembers ging er bei scheußlichem Winterwetter
in die Scheune, um das Leder zu entwenden. Nachdem er die Scheune
geöffnet hatte, sah er den Wagen nicht und ließ aus
Wut das Zündhölzchen fallen, damit das Stroh anfing
zu brennen. Danach lief er zu Bewohnern der Straße und machte
auf den Brand aufmerksam. Die Bürger der Stadt Apolda waren
von diesem Brandunglück tief betroffen. Zwei
langjährige erfahrene Feuerwehrleute waren jäh aus
dem Leben gerissen worden. Sie starben in ehrenvoller
Pflichterfüllung zum Wohle aller Bürger. Die tief
empfundene Trauer bezeugten die Apoldaer Bürger durch
zahlreiche Kranzspenden und die Erweisung der letzten Ehre.
So waren zum Abschied Oberbürgermeister Stegemann,
Gemeinderatsvorsitzender Fischer, Landesbranddirektor Probst, die
gesamte Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr und der
Sanitätskolonne des Roten Kreuzes, sowie Abordnungen der
benachbarten Städte und Gemeinden anwesend. Die Spenden von
Privatpersonen, Belegschaften und vielen ungenannten Bürgern
brachten über 30.000,00 Reichsmark (1533,88 Euro) ein. Das war
ein großes Opfer bei der bestehenden Teuerung um 1920 und
1921.
Für die Hinterbliebenen spendeten folgende Personen und
Institutionen:
Jakob Weber, Ehrenmitglied der Wehr = 100,00 Reichsmark (5,11 Euro),
der Verein Deutscher Schäferhunde der Ortsgemeinde Apolda =
500,00 Reichsmark (25,56 Euro),
Beyer - Schützenstraße = 50,00 Reichsmark (2,56
Euro),
Edmund Klen - Andreasstraße = 100,00 Reichsmark (5,11 Euro),
Arthur Meißner (Sport-Meißner) -
Mönchsgasse 1 = 50,00 Reichsmark (2,56 Euro),
Otto Schmidt - Bahnhofstraße 26 = 100,00 Reichsmark (5,11
Euro),
Spielwarenhaus Wolf - Fleischergasse = 50,00 Reichsmark (2,56 Euro),
Paul Lüttig - Kaiser-Wilhelm-Str. 2 = 120,00 Reichsmark (6,14
Euro),
Otto Kämmer und Sohn - Geschirrhalterei und Kohlenhandlung =
500,00 Reichsmark (25,56 Euro),
bei der Weihnachtsfeier eines Apoldaer Kegelclubs wurden
300,00 Reichsmark (15,34 Euro) gespendet,
Walter Dornheim - Bäckermeister = 100,00 Reichsmark (5,11
Euro),
Carl Rowold - Fleischermeister = 50,00 Reichsmark (2,56 Euro),
Kurt Bratfisch - Ritterstraße 29 = 50,00 Reichsmark (2,56
Euro) und
R. H. spendete 50,00 Reichsmark (2,56 Euro).
Von dem Apoldaer Männergesangsverein in der Weintraube wurden
1.000,00 Reichsmark (51,13 Euro) gesammelt. Die Spenden beliefen sich
zu diesem Zeitpunkt auf 4.220,00 Reichsmark (215,77 Euro).
Die Errichtung des Gedenksteines erfolgte auf Initiative des
Ehrenmitgliedes der Freiwilligen Feuerwehr und des ehemaligen
Gemeinderatsvorsitzenden Wilhelm H. Leutloff. Die Stadt
übernahm einen Teil der Kosten, den Rest die Freiwillige
Feuerwehr.
Durch den Unfall der Kameraden Reime und Stein wurde die Beschaffung
des Automobillöschzuges wieder brandaktuell. Bräuning
und Probst erklärten die Notwendigkeit so, dass es nachts bei
Feueralarm extrem lange dauerte, bis man die Pferde für den
Transport der Löschgeräte herbeischaffen konnte. Mit
einer Autospritze konnte bei einem Alarm in etwa 10 Minuten die
Brandbekämpfung aufgenommen werden. Die
Feuerwehrmänner mussten die schwere Handdruckspritze sehr oft
im Handzug zur Brandstelle schaffen und kamen dort erschöpft
und außer Atem an. Die erforderlichen 800.000,00 Reichsmark
(40.903,35 Euro) sollten durch eine Sammlung von den Bürgern
aufgebracht werden, da der Staat nur ein Sechstel der Kaufsumme als
Zuschuss aus den Mitteln der Feuerschutzsteuer gewährte. Als
Unterstützung für die Sammlung trat im Januar 1922
die Jenaer Freiwillige Feuerwehr mit ihren Automobillöschzug
auf dem Apoldaer Marktplatz an und führte Übungen
durch. Beide Geräte waren im Fahrgestell von Benz,
während der Leiteraufbau von Magirus-Ulm und die Spritze von
Benz-Gaggenau hergestellt wurden. Zur Lieferung der beiden
Kraftfahrzeuge bei der Fa. Benz in Gaggenau wurde ein Kostenvoranschlag
von über 900.000,00 Reichsmark (46.016,27 Euro) abgeschlossen.
Der Aufbau des Löschfahrzeuges sowie der Einbau der
Löschpumpe mit einer Förderleistung von 2000 Litern
in der Minute erfolgte durch Fa. Benz in Gaggenau. Der Aufbau der
automobilen Drehleiter mit einer Auszugslänge von 25 Meter
wurde von der Fa. Magirus in Ulm übernommen. Im November 1921
erfolgte die Lieferung der beiden Kraftfahrzeuge. Diese sollten 4,7
Millionen Mark kosten. Oberbürgermeister Stegemann und der
Stadtrat Borgmann konnten durch Verhandlungen einen Preis von 2,75
Millionen Reichsmark (140.605,26 Euro) vereinbaren. Zur Finanzierung
wurden vom Ehrenmitglied Leutloff bei den Fabrikanten der Betrag von
1,5 Millionen Reichsmark (76.693,78 Euro) und von den Kameraden der
Freiwilligen Feuerwehr von Haus zu Haus 2,6 Millionen Reichsmark
(132.935,88 Euro) gesammelt.
Durch die Beschaffung der Geräte war Apolda eine der
modernsten Feuerwehren im Land. Bis in die 50er Jahre waren diese Wagen
funktionsfähig.
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