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Die Auflösung der Pflichtfeuerwehr
26.
Dezember 1922 fand eine Großübung auf dem Marktplatz
und eine Vorführung der neuen Gerätschaften statt.
Nun war die Zeit der Steiger, Spritzenleute und Wasserzubringer vorbei.
In der Freiwilligen Feuerwehr wurde der Einheitsfeuerwehrmann
benötigt. Einer, der alle Tätigkeit in einer kleinen
Einheit durchführen konnte. Das erforderte Umdenken und viele
Übungen. Die Pflichtfeuerwehr wurde aufgelöst.
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Das 55-jährige Bestehen
Das
55-jährige Bestehen beging die Freiwillige Feuerwehr 1923. Der
Fackelumzug begann vor dem Gerätehaus und führte von
der nördlichsten bis zur südlichsten Straße
der Stadt. Er endete vor dem Bürgerverein, wo tapfere
Feuerwehrmänner eine Auszeichnung erhielten. Am
nächsten Tag verlief das Fest jedoch nicht wie geplant. Es
wurde ein Großfeuer in der Fabrik der Gebrüder
Häusser gemeldet. Der Brandherd befand sich im zweiten
Geschoss des Gebäudes. Bei diesem Einsatz erlitten drei
Feuerwehrleute eine Rauchvergiftung und einer verletzte sich durch
herunterfallendes Gebälk. Nach vier Stunden war der Einsatz
beendet.
Durch die Inflation verlor die Feuerwehr ihr gesamtes
Vermögen, welches sich auf 44.000,00 Reichsmark (2.249,68
Euro) belief.
Zum 01. Januar 1924 musste wieder mit 1 Reichspfennig angefangen
werden. Der Fabrikant und das Ehrenmitglied W. H. Leutloff sammelten
bis zum 30. Juni 1924 6.000,00 Reichsmark (300,63 Euro) zur
Unterstützung. Der Betrag wurde geteilt und auf
Bankbüchern angelegt. Das erste hatte einen Wert von 4.500,00
Reichsmark (230,08 Euro), die unverfügbar angelegt waren, Das
zweite besaß 1.500,00 Reichsmark (76,69 Euro) und stand zum
täglichen Gebrauch bereit.
Die Stadtverwaltung baute kurze Zeit später ein
Verwaltungszimmer im Gerätehaus, welches als Sitzungszimmer
für das Kommando genutzt wurde.
1925 wurden 100 Drellhosen angeschafft und 1926 100 Uniformjoppen. Die
Freiwillige Feuerwehr Apolda bestand 1927 aus 1 Branddirektor, 1
Stellvertreter, 1 Adjutanten, 6 Brandmeistern, 1 Zeugmeister, 16
Oberfeuerwehrmännern, 69 aktiven Mitgliedern, 20 Musikern, 54
passiven Mitgliedern und 48 Ehrenmitgliedern. Die Ausbildung wurde an
allen Geräten einheitlich geführt. Es wurden weitere
100 Tuchhosen angeschafft.
Die im Voranschlag vorgesehene Erhöhung der Vergütung
des Branddirektors Richard Bräuning von 800,00 Reichsmark
(40,90 Euro) auf 1.000,00 Reichsmark (51,13 Euro) jährlich,
wurde bei der Beratung des Etats im Stadtrat am 7. Mai 1927 genehmigt.
Das Korps verfügte in dem Jahr 1927 in der Korpskasse
über 1.153,77 Reichsmark (58,99 Euro), in der Sterbekasse
über 478,15 Reichsmark (24,45 Euro), in der
Kinderbelustigungskasse über 329,20 Reichsmark (16,83 Euro)
und in der Unterstützungskasse über 6.968,30
Reichsmark (356,28 Euro). Das war ein Gesamtvermögen von
8.929,42 Reichsmark (456,55 Euro). Die aktiven Mannschaften sind,
außer der Unterstützung, bei der
Landesfeuersozietät der Provinz Sachsen, bei der
Unfallversicherungsgesellschaft in Winterthur, pro Mann und Tag mit
10,00 Reichsmark (0,51 Euro), bei Todesfall mit 10.000,00 Reichsmark
(511,29 Euro) und bei gänzlicher Invalidität mit
30.000,00 Reichsmark (1.533,88 Euro) versichert worden.
Am 29. Mai 1927 erfolgte die Gedenksteinweihe auf dem
städtischen Friedhof in Apolda zu Ehren der beiden
verunglückten Feuerwehrleute Karl Stein und Otto Reime.
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Der 59. Verbandstag Thüringer Feuerwehren
Zu Pfingsten, am 19. und 20. Juni 1927 trafen sich 2000 Feuerwehrleute
des Verbandes der Thüringer Feuerwehren in Apolda zum 59.
Verbandstag Thüringer Feuerwehren. Es erfolgte die
Bekanntgabe, dass das Staatsministerium mit der Einrichtung von
Feuerwehrämtern begann. Mit diesen sollten amtliche
Aufsichtsorgane geschaffen werden. Nach und nach sollten in den
Städten und Landkreisen, die Kreisbrandmeister zu
feuerpolizeilichen Aufsichtsbeamten berufen werden. Neben den internen
Veranstaltungen des Feuerwehrverbandes gab es auf dem alten Turnplatz
für die Bürger eine Besichtigung der modernen
Feuerwehrgeräte und
Feuerlöschmittelvorführungen. So wurden
Handfeuerlöscher der Fa. Radikal und das
Schaumlöschverfahren der Fa. Minimax gezeigt. Über
die Erbauung von Feuerwehrerholungsheimen für die
Thüringer Feuerwehrmänner wurde beraten. Die
Thüringer Staatsregierung stellte dafür 20.000,00
Reichsmark (1.022,84 Euro) zur Verfügung. Da die
Feuerwehrtätigkeit in der Zeit der Weimarer Republik zum
Aufgabengebiet der Polizei gehörte und die Freiwillige
Feuerwehr meist auf staatliche Unterstützung angewiesen war,
unterstellten sie sich der Landespolizei, von der sie im Falle der
Eignung für ihre Aufgaben anerkannt wurde. Damit hatte der
Leiter in bestimmtem Umfang Ortspolizeibefugnisse.
Der Willkommensgruß zur Einleitung der Festlichkeiten:
"Willkommensgruß zum
59.Thüringer Feuerwehrverbandstag
vom 17. bis 20. Juni 1927 in Apolda
Seid uns Willkommen, wack`re Männerscharen,
Seid uns gegrüßt in uns´rer lieben Stadt,
Der gold´ne Sommer macht mit wunderbaren
Geschenken Eure Herzen freudesatt,
Und Pflichterfüllung bindet Euch zusammen,
Und Pflichterfüllung macht Euch stolz und groß-
Ihr fürchtet nicht des glüh´nden Feuers
Flammen-
Nicht Wasserfluten aus der Erde Schoß.
Zum Helfen seit Ihr da - Ihr wollt nur retten,
Wenn das Signal Euch aus dem Schlafe weckt,
Wenn an der Menschenheimat trauten Stätten
Die gier´ge Zunge roten Feuers leckt-
Freiwillig eint Ihr Euch zu starkem Bunde,
Freiwillig bietet dar Ihr Kraft und Mut-
Freiwillig seid Ihr da zu jeder Stunde,
Furchtlos ertragt Ihr helfend Qualen und Glut,
O Friedensdienst, Mitmenschen zu beschützen!
Ihr übt ihn aus, indem Ihr nimmer wankt.
O Friedensdienst! Für Euer Unterstützen
Bedrängter seid von Herzensgrund bedankt.
- - - Heut habt Ihr uns´re Stadt Euch ausersehen,
In Ernst und Frohsinn hier vereint zu sein,
Ihr fühlt ein festestes Zusammenstehen,
Und Freudenlicht fällt Euch ins Herz hinein.
Ihr dürft empfinden Euer Ziele Segen,
Ihr spürt der Menschheit tiefe Dankbarkeit.
Es klingt Euch manches hohe Wort entgegen,
Daraus Ihr Neues lernt für künft´ge Zeit.-
- Weilt gern bei uns !- Wir können wenig bieten
An hohen Bergen,- Wäldern, dicht und grün,-
Doch sollen Euch in uns´rer Heimat Frieden
Die ersten Rosen weiß und rot- umblühn!
Und aller Herzen Euch willkommen heißen,
Begrüßungsworte klingen um Euch her!
Mit lautem Heilruf wollen wir Dich preisen.
Du hochgeschätzte, edle Feuerwehr!"
Am 7. August wurde das Projekt zur Erbauung einer Garage zur
Unterbringung, der von der Stadt beschafften sechs Automobile, im
Gebhardt´schen Grundstück in der
Bachstraße ins Leben gerufen. Das Projekt sah vor, dass die
an das Wohnhaus anstoßende alte Scheune abgerissen wird,
damit Platz für einen Werkstattbau in Verbindung mit den
Garagen geschaffen werden konnte. Für den Bau der Garagen
waren im Haushaltsplan 50.000 Reichsmark (2.556,46 Euro) vorgesehen.
Diese Mittel wurden nicht voll gebraucht. Einschließlich der
nötigsten Einrichtung für die Werkstatt reichten
35.000,00 Reichsmark (1.789,52 Euro) aus. Die Unterbringung im
Gebhardt´schen Grundstück sollte nur ein Provisorium
werden. Angestrebt wurde die Errichtung eines großen
Lagerplatzes mit Gleisanschluss und den für die Unterbringung
des städtischen Wagenparks notwendigen Garagen. Im selben Jahr
wurde ein Schaumlöschgenerator zur Bekämpfung von
Benzin-, Benzol- und Ölbränden angeschafft.
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Das 60-jährige Bestehen der "Freiwilligen Feuerwehr Apolda"
1928 wurde das 60-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr
gefeiert. Zum feierlichen Anlass erfolgte ein Fackelumzug der am
Bürgerverein begann und auch dort endete. Die
Begrüßung erfolgte durch Herrn Sattler. Er war die
einzige Person, die seit der Gründung Mitglied der
Freiwilligen Feuerwehr war. Die Feuerwehr betrachtete damals ihre
Aufgabe darin, binnen 2 Minuten zur Brandstelle zu eilen, wenn die
Stadt ein Depot mit allen modernen Einrichtungen zur Verfügung
stelle. Der Stadtrat Herr Weber richtete seine
Begrüßungsworte an alle Anwesenden und teilte
zugleich eine erschütternde Nachricht mit. Das Ehrenmitglied
Kommerzienrat Louis Roh war an diesem Tag aus der Zeitlichkeit
abgerufen worden. Durch einen Herzschlag im Badezimmer verstarb er im
Alter von 70 Jahren. Nachdem im Namen der Mitgliederfrauen zum Andenken
eine Standuhr und ein feingesticktes Tischbanner überreicht
worden waren, fand die Auszeichnung der Kameraden für
langjährige Dienstzeit statt. Am nächsten Tag
überreichte Branddirektor Schröder aus Weimar dem
Branddirektor Bräuning die höchste Auszeichnung des
Thüringer Feuerwehrverbandes, das "Goldene Ehrenkreuz" und
andere Anerkennungen. Der Oberbrandmeister Herr Stegemann gedachte dem
Bürgerschullehrer Kanold.
Anlässlich des 60. Stiftungsfestes verfasste die
Medizinalrätin Dr. Jaenicke diesen nachstehenden Prolog und
Frau Bock trug ihn vor.
Prolog anläßlich des 60.
Stiftungsfestes
" Willkommen heiß` ich, Freunde Euch und Gäste,
Die Ihr auf unseren Ruf erschienen seid,
Willkommen heut bei unserm Jubelfeste
Das wir Euch weihen voller Freudigkeit
Ihr teilt und schützt die Ziele, die ehrlichen
Gefühle,
Die wir empfinden als die höchste Ehr`,
Der treuen, heimatlichen Feuerwehr!-
Ich will hier nicht von der Gefahr Euch sagen,
Die unsere Männer jederzeit umgibt,
Ich will nicht über Eure Mängel klagen,
Die unseren Helferwillen oft getrübt!
Rein! In vergangene Zeiten möchte ich Euch geleiten,
Denn immer sei uns klar und offenbar,
Was einst geschah und wie dereinst es war.
Nur kurze Zeit, er` Frankreich wir bezwungen-
Rund 60 Jahre sind es jetzt nun her-
Da wars, das feste Ketten dich umschlungen
Dich unsere Heimat, treue Feuerwehr
Die Gründer, jene Braven
Den letzten Schlummer schlafen
Doch einen noch, dem Greise einst und mild
Schlägt unser Herz in Ehrfurcht Dankerfüllt
Gedenkt auch deren, die im Flammenmeere
Hinsanken auf dem schweren Weg der Pflicht
Denkt unsere Helden auf dem Feld der Ehren
Jetzt` kämpfen Sie für uns und wanken nicht
Ihr, die wir gern besessen, Ihr seid uns unvergessen
In tiefer Wehmut wird an Euch gedacht
Und auch des Herzens Freundesgruß gedacht
Wir aber, die wir noch im Lichte wandeln
Wir wollen alle voller Mut und Kraft
Im Sinne unsere großen Toten handeln
Und heilig halten Freud- und Nachbarschaft
Behörden, Gönner, Freunde
Du, werte Festgemeinde
Glaubt: Nicht steht höher uns als Pflicht und Ehr`
Drum fühlt Euch wohl bei Eurer Feuerwehr.""
| Das
20-jährige Bestehen des Spielmannszuges der Feuerwehr
Das
20-jährige Bestehen des Spielmannszuges der Wehr wurde im Jahr
1929 begangen. Dieses nahmen die Kameraden zum Anlass, dem Leiter A.
Roesner eine besondere Ehrung zu Teil werden zu lassen. Roesner
richtete daraufhin herzliche Dankes- und
Begrüßungsworte an die Gäste und Kameraden.
| Das
61-jährige Bestehen der "Freiwilligen Feuerwehr Apolda"
Die Freiwillige Feuerwehr Apolda feierte am
24. Juni 1929 ihr 61-jähriges Bestehen. Es fand eine
Schulübung auf dem Marktplatz mit dem Landesbranddirektor Dr.
Meyer statt. Das Fuß- und Geräteexerzieren und ein
Hakenleitersteigen am Steigerturm der Sophienschule wurden in exakter
Weise vorgeführt. Auch ein Angriffsmanöver auf die
Wollwarenfabrik von Gottlob Miltsch in der Bahnhofstraße war
ein Übungsakt dieses Tages. Die Feuerwehr wurde durch die
Alarmanlage der Polizeiwache alarmiert und schon wenige Minuten
später rückten der Autolöschzug und die
Leiterwagen an. Kurz darauf ertönte das Wassersignal und der
Angriff auf das Brandobjekt erfolgte. Nach der Übung
versammelte sich die gesamte Wehr auf dem Fabrikhof der
Wollwarenfabrik, um die Kritik des Hr. Dr. Meyer zu hören.
Dieser äußerte seine vollkommene Zufriedenheit mit
besonderem Lob für die exakten Schulübungen. Die
Exerzierübungen seien für die gute Schulung und
Brauchbarkeit der Wehr von besonderer Wichtigkeit. Nachmittags setzte
sich der Zug, voran die ausgezeichnete Feuerwehrkapelle und ihr
schneidiger Spielmannszug, vom Gerätehaus der
Bernhardstraße zum Hotel "Zum Adler" in Bewegung. Die
musikalische Darbietung wurde unterbrochen und es folgte die Ehrung
besonders verdienter Kameraden. Branddirektor Bräuning
übernahm das Wort. Er begrüßte die
Gäste, insbesondere den Landesbranddirektor Dr. Meyer und den
Verbandsvorsitzenden Branddirektor Schröder-Weimar, die
auswärtigen Kameraden der Städtischen Wehr aus
Weimar, die Freiwillige Feuerwehr aus Jena, die Feuerwehr des Zeiss
Werkes und die Sanitätskolonne des Roten Kreuzes. In seiner
Rede gab er einen kurzen Rückblick des vergangenen Jahres, das
durch die strenge Frostperiode besonders arbeitsreich war, weil durch
die Überheizung zahlreiche kleinere Brände
entstanden. An die Kameraden trat er mit der Bitte heran, auch in
Zukunft ihr Bestes zu tun, für die Feuerwehr zu streben und
den Führern die Treue zu halten. Außerdem wurde der
beiden verlorenen Kameraden, Wilhelm Sattler und Erich Jacobi, gedacht.
Der freudige Teil der Rede bestand in der Bekanntmachung von einer
Stiftung in Höhe von 300,00 Reichsmark (15,34 Euro) durch
unbenannt bleibende Ehrenmitglieder. Der Vorsitzende des
Thüringer Landesverbandes Branddirektor
Schröder-Weimar überreichte die Auszeichnung des
Verbandes:
Brandmeister Friedrich Grobe für 55 Jahre im Dienst der Wehr
bekam das "Feuerwehrehrenkreuz", ein Dankschreiben der Stadt und ein
Geldgeschenk. Die höchste Auszeichnung des Verbandes die
"Goldene Medaille" bekamen Louis Henske und Branddirektor Richard
Bräuning für 40 bzw. 33 Jahre Dienstzeit. Der
Feuerwehrmann Karl Laux bekam ein Dankschreiben und eine Brieftasche
mit Inhalt, für 45jährige Dienstzeit.
Drei weitere Jubilare für 30 Jahre Dienstzeit waren
Brandmeister Paul Ehrhardt und die Feuerwehrmänner Hugo Paul
und Otto Krieg. Diese erhielten goldene bzw. silberne Uhren. Die
Oberfeuerwehrmänner Karl Ziege und Otto Gerstenberger,
erhielten für 20 Jahre Dienstzeit Ehrenbeile.
Sternverleihungen gingen an Walter Hopf und Oskar Geyer für 15
Jahre Dienstzeit, Albert Eschner, Paul Franke, Erich Gärtner,
Hermann Bock, Emil Beier und Hugo Henske für 10 Jahre und
für 5 Jahre Dienstzeit wurden Franz Reinhardt, Walter
Premsler, Walter Joch, Otto Kühn, Franz Heß, Willy
Schattschneider, Willy Weinholz, Kurt Keßler und Erich
Keßler ausgezeichnet.
Das Kommando der "Freiwilligen Feuerwehr Apolda" wählte am
15.01.1930, anstelle des am 16.12.1929 verstorbenen Brandmeisters
August Ziege, den bisherigen Adjutanten und Schriftführer
Schuhmachermeister Max Weineck zum Brandmeister.
Die Vergütung der Feuerwehr wurde im Jahr 1932
folgendermaßen vorgenommen: Der Branddirektor erhielt eine
Entschädigung von 930,00 Reichsmark (47,55 Euro)
jährlich, der Brandmeister 75,00 Reichsmark (3,83 Euro)
jährlich und die Mannschaft 45 Reichspfennig (0,02 Euro) und
für die Brandstunde 90 Reichspfennig (0,05 Euro).
Nachdem die Automobilspritze nunmehr 10 Jahre im Dienst stand, machten
sich doch schon allerlei Reparaturen notwendig. Um bei eventuell
ausbrechendem Großfeuer gesichert zu sein, wurde auf
Veranlassung von Herrn Branddirektor Bräuning eine
Kleinmotorenspritze für die Freiwillige Feuerwehr beschafft,
die im Verhältnis zu ihrer Größe
außerordentlich leistungsfähig war. Sie
förderte bei einer Höhe von 60 m, wozu 30-40 Meter
Wurfhöhe kamen, 800 l Wasser pro Minute. Ausgerüstet
mit einem 25 PS Motor wog die ganze Spritze nur 3,5 Zentner. Ein
Vorteil, der insofern wertvoll war, als das die Spritze sehr leicht zu
transportieren und überall verwendbar war.
In einer fahrbaren Garage konnte die Spritze an jedes Kraftfahrzeug
angehängt oder auch mit Pferden bequem bespannt werden.
Fahrzeug und Spritze wogen zusammen 7 Zentner. Die Abnahme erfolgte
durch eine Prüfung am Friedensteich. Erbauer war die Fa. Koebe
aus Luckenwalde, Lieferant die Fa. Waldemar Dittmar aus Weimar, die die
Generalvertretung für Thüringen hatte.
Am 1. März 1932 entwickelte sich aus dem
Feuerwehrunfallversicherungsgesetz die Feuerwehrunfallfürsorgebestimmungen,
nach denen sämtliche Mannschaften in blauen Uniformen
eingekleidet werden mussten.
Der 6. Kreisfeuerwehrverbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes Weimar
unter Vorsitz des Branddirektors Bräuning fand am 19. Juni
1932 in Apolda statt.
1932 bestand das Kommando aus 7 Oberkommandomitgliedern, 14
Oberfeuerwehrmännern und einem Gerätehausverwalter.
Das Korps zählte 76 aktive Feuermänner
einschließlich Musikchor, 59 Ehrenmitglieder und 57 passive
Mitglieder. Insgesamt bestand das Korps aus 214 Mitgliedern. In diesem
Kalenderjahr waren 11 Brandfälle, davon 2 Großfeuer
zu verzeichnen. Das Kommando bestand im Jahr 1933 aus 7
Oberkommandomitgliedern, 13 Oberfeuerwehrmänner, einem
Obermaschinisten und einem Gerätehausverwalter. Im Korps
zählte man 71 aktive Mitglieder, 58 Ehrenmitglieder und 53
passive Mitglieder. Insgesamt bestand die Wehr aus 204 Mitgliedern. Im
genannten Jahr verstarben als aktive Mitglieder Walter Strzalka und die
passiven Kameraden Karl Eckardt und Otto Möller.
Im gesamten Jahr waren 14 Brandfälle und Alarmierungen zu
verzeichnen. Es begann am 9. Januar mit einem Kellerbrand bei Max
Krause in der Utenbacher Straße, gefolgt vom Balkenbrand bei
Max Wiener in der Alexanderstraße am 25. Januar, einem
Dachstuhlbrand in der Ritterstraße 33 am 21. Februar, einem
Schuppen- und Ladenbrand im Volkshaus am 13. März, einem
Großfeuer in Sulzbach am 4. Juli, einem
Eisenbahnunglück in Niedertrebra am 9. Juli, dem Brand einer
Fäkalienscheune in der Jenaer Straße am 11.
September und dem Dachstuhlbrand am 18. Dezember in Stobra.
Hinzuzurechnen sind noch 6 Entstehungs- und Essenbrände.
Das Jahr 1933 bezeichnete man als das Jahr des Aufbaus, des Luft- und
Selbstschutzes. Aus diesem Grund fanden 10 Atem- und
Trainingsübungen, eine Luftschutzpropagandafahrt, ein
Luftschutzpropagandamarsch, eine Übung in der vergasten
Autohalle der Feuerwehr und ein großer Appell statt. Zum
Oberfeuerwehrmann wurden die Kameraden Erich Gärtner und Erich
Michael ernannt. Ehrenmitglieder wurden die Kameraden Karl
Hammerschmidt, Otto Krieg und Max Rempel.
Die
Feuerwehr erschien zum 65. Stiftungsfest am 19. März 1933 zum
ersten Mal in ihren neuen blauen Uniformen, die von Schneidermeister
Robert Barnert aus der Herderstraße angefertigt wurden.
Oberbaurat Hertneck würdigte die Verdienste der Feuerwehr,
während Branddirektor Pabst-Leutenberg, der zum ersten Mal als
Ehrenmitglied der Apoldaer Wehr in ihrer Mitte weilte, betonte dass
unsere Freiwillige Feuerwehr mit an der Spitze der Thüringer
Wehren steht.
Folgende Ehrungen wurden an diesem Ehrentage vollzogen:
Für 30 Jahre Dienstzeit erhielt Albert Fischer eine Uhr,
für 25 Jahre Dienstzeit bekam Hermann Rudloff ein Diplom,
Oskar Gregor erhielt ein Ehrenbeil und eine Kupferplakette für
20 Jahre Dienstzeit. Die 1. Sternverleihung bekamen Erich Tamm, Magnus
Schreiber, Paul Göring, Willi Schröder, Fritz
Wiegand, Hermann Machleb, Otto Weißhuhn, Robert
Bloßfeld, Karl Damm, August Böhnicke, Walter
Wölbing, Peter Klein, Walter Maschke und Hermann Hucke. Im
Rahmen der Veranstaltung am 20. März hatten sich Turner und
Turnerinnen des B.T.U., der Gesangsverein "Liedertafel", die bekannte
heimische Sängerin Frau Stadelmann und unsere ausgezeichnete
Feuerwehrkapelle in den Dienst der Sache gestellt, um der Feuerwehr und
ihren Gästen einen schönen und genussreichen Abend zu
bieten. Bräuning richtete zu Beginn herzliche Worte an die
Gäste, besonders an Herrn Bürgermeister Dr. Trummler,
als Vertreter der Stadt Apolda, Herrn Branddirektor
Schröder-Weimar, als Vorsitzenden und Vertreter des
Thüringer Feuerwehrverbandes, die stark vertretenen
Ehrenmitglieder der Wehr, die Kameraden aus Jena und anderen
umliegenden Ortschaften und die Freiwillige Sanitätskolonne
vom Roten Kreuz.
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Die Vereinheitlichung als Feuerlöschpolizei
1934
wurde das Deutsche Feuerlöschwesen vereinheitlicht und die
Übernahme der Berufsfeuerwehren als Feuerlöschpolizei
in die staatliche Ordnungspolizei erfolgte.
Am 1. Januar beging der Branddirektor Bräuning seine
25-jährige Zugehörigkeit. Er wurde außerdem
Vorstandsmitglied des Bezirksbrandmeistervereins von Thüringen
und des Kreisfeuerwehrverbandes von Weimar, Apolda und dem Landkreis
Weimar.
Er reorganisierte das Korps: Die 3-jährigen Wahlen wurden
abgeschafft, jeder blieb solange im Amt, wie er sich seines Postens
würdig zeigte. Das Feuerwehrdepot der Freiwilligen Feuerwehr
in der Bachstraße, obwohl zentral gelegen, war
räumlich zu eng um den Autolöschzug und die sonstigen
Gerätschaften einsatzbereit aufstellen zu können.
Somit wurden die Garagen des städtischen Kraftwagenparks
hinter der Bernhardstraße der Feuerwehr als
geräumiges Depot zur Verfügung gestellt.
Der Umzug der Freiwilligen Feuerwehr in ein neues Depot stand an. Vom
Oberbürgermeister Dietz waren die Garagen des
städtischen Kraftwagenparks auf dem Steinplatz an der
Bernhardstraße 67 als ausbaufähiges Feuerwehrdepot
übergeben worden. Das Spritzenhaus in der
Bachstraße, vorher Saarlandstraße 54, wurde
für 13.350,00 Reichsmark (682,57 Euro) an Josef Matt verkauft.
Die Größe des Depotgeländes
einschließlich Übungsplatz betrug 300 m²,
die bebaute Fläche schloss 520 m² ein. Die
Garagenbauten entstanden 1927 und bei einer Örtlichkeit von
230 m² entstanden Baukosten um 52.781,00 Reichsmark (2.698,65
Euro). Das Wohnhaus für das Feuerwehrpersonal entstand
1929/1930, mit einem Kostenaufwand von 38.200,00 Reichsmark (1.953,14
Euro), wobei für jede Wohnung 23,00 Reichsmark (1,18 Euro)
Miete verlangt wurde.
Nach Übergabe des Depots erfolgte die Beurlaubung
Bräunings wegen Erreichung des Dienstalters, sein
Stellvertreter Brandmeister Paul Franke wurde als kommissarischer
Branddirektor eingesetzt.
Der Geschäftsbericht des Apoldaer Tageblattes vom 22.01.1935:
"Im Jahre 1934 ist die Brandkurve des Feuerlöschbezirkes
Apolda als sehr niedrig zu bezeichnen, aber folgender
Geschäftsbericht zeigt, daß trotzdem ein reichliches
Arbeitspensum zu bewältigen war. Bestand der Mitglieder am
31.12.1934
85 aktive inkl. Musik
53 Ehrenmitglieder
51 passive Mitglieder
7 Kameraden sind beurlaubt
zus. 196 Mitglieder
Verstorben sind: Die Ehrenmitglieder Rudolf Haupt, Jakob Weber, Ernst
Gierschick, Richard Thieme, Karl Balke, Max Zober und der passive
Kamerad Hermann Graf.
Brandfälle und Alarm sind im Kalenderjahr folgende zu
verzeichnen:
|
6.
|
Februar: |
Großfeuer
Gut Franzenshof |
|
9.
|
April: |
Brand der
Schuttabladestelle Dammstraße. |
| 18. |
April: |
Brand der
Schuttabladestelle Sandgrube. |
| 11. |
Juli: |
Stubenbrand Stobraer
Straße |
| 14. |
Juli: |
Schuppenbrand
Jakobstraße. |
|
9.
|
September: |
Großfeuer
Utenbach. |
|
2.
|
Oktober: |
Feuer in Wersdorf. |
| 15. |
November: |
Essenbrand Dornburger
Straße 37. |
| 21. |
November: |
Essenbrand
Ackerwandstraße 15. |
An Wachen wurden gestellt: 67 Theater-, Maskenball-, Feuerwerk- und
Fackelzugwachen. Versammlungen fanden statt: 7 Oberkommandositzungen,
11 Kommandositzungen, 11 Korpsversammlungen.
Weiter beteiligte sich das Korps am Reichstrauertag am 25. Februar, am
Kreistag am 26./27. Mai in Bad Berka, am Rot-Kreuz-Tag am 10. Juni in
Apolda, am Kreistag des ersten Kreises am 9. Und 10. Juni in Kahla und
am Bezirkstag am 23. September in Oßmannstedt.
Uebungen haben stattgefunden:
1Kommandoübung, 18 Korpsübungen, 4
Alarmübungen, 1 Hydrantenrevision, 2 Appelle in
sämtlichen Ausrüstungsgegenständen.
Während die erste Übungsperiode im Zeichen des
Selbstschutzes stand und zur Aufsuchung und zum Ausprobieren von
sämtlichen brauchbaren Brunnen und Wasserstellen diente, wurde
die zweite Uebungsperiode dazu verwendet, um in Geräte = und
Alarmübungen dem Kameraden das beizubringen. Was im Ernstfalle
gebraucht wird, um die Schlagfertigkeit der Wehr zu
gewährleisten.
Da das Jahr
1934 ein Aufbaujahr des Luft- und Selbstschutzes war, fanden folgende
Uebungen der Gastruppe der Freiwilligen Feuerwehr und der Kolonne vom
Roten Kreuz statt:
10 Atem- und Trainingsübungen, zwei Uebungen in vergasten
Räumen, 2 Luftschutz-Propaganda-Märsche, 1
Abschlußübung in der Reichsluftschutzschule Erfurt,
1 große Alarmübung des gesamten Luftschutzes von
Apolda und die Einweihung des Luftschutzkellers in der Teichgasse.
Weiter wurden die Einwohner von Apolda durch zwei öffentliche
Vorträge sowie praktische Vorführungen von
Brandbomben und dergleichen durch Branddirektor Franke über
die Notwendigkeit und Ziele des Luftschutzes aufgeklärt und
die Bodenentrümpelung durchgeführt.
Sämtliche Uebungen standen unter der Leitung von Branddirektor
Franke und Brandmeister Ehrhardt. Vom 18. Bis einschl. 20. Januar
nahmen diese beiden Kameraden an einem Reichsluftschutzkursus in Erfurt
teil. Weiter besuchte in einem achttägigen Kursus
Branddirektor Franke die Reichsluftschule in Berlin.
Ernennungen:
Zum kommissarischen Branddirektor wurde Branddirektor-Stellvertreter
Franke, zum Brandmeister und Adjutanten Oberfeuermann Hollbach, zum
Oberfeuermann die Kameraden Max Hoppe und Walter Hofer ernannt. Zum
Ehrenmitglied wurde Polizeisekretär Schütze ernannt.
Auszeichnungen:
Es erhielten Branddirektor Bräuning das Deutsche
Feuerwehr-Ehrenkreuz 1. Klasse, Brandmeister Ehrhardt das
Thüringer Verdienstkreuz.
Für 33jährige Dienstzeit:
die Kameraden Emil Dobermann und Paul Scheibler die silberne
Verdienstmedaille.
Für 30jährige Dienstzeit: Brandmeister Brandmeister
Otto Landgraf eine Uhr.
Für 25jährige Dienstzeit: Kamerad Karl Ziege 1 Diplom
und die bronzene Verdienstmedaille.
Für 20jährige Dienstzeit: Kamerad Walter Hopf 1
Plakette.
Für 15jährige Dienstzeit wurden ausgezeichnet:
die Kameraden Branddirektor Franke, Bock, Beyer, Gärtner, Hugo
Henske und Eschner.
Den zweiten Stern erhielten: die Kameraden Keßler, Weinholz,
Schattschneider, Joch, Premsler und Reinhardt.
Den ersten Stern erhielten die Kameraden Heinz Hoppe, Erich Pfotenhauer
und Richard Gann.
Neu wurden beschafft:
25 blaue Röcke, fünf Hosen, 15 Gasschutz-Masken mit
Nebelfilter, 94 neue Karabiner, 1 Schlappschlauch, drei
Theater-Wachdecken, 1 neue Bereifung für die Motorleiter, 1.
Lichtanlage für die Motorspritze, 2 Batterien. 28 Helme wurden
umgearbeitet.
Das was dem Korps an Erreichung höherer Brandtaktik auf der
Brandstelle infolge der niedrigen Brandkurve im Jahre 1934 versagt
blieb, haben die Führer in umsichtiger Weise durch
Vortragsabende, Belehrungs- und Instruktionsstunden zu ersetzen
gewußt.
Die Feuerwehrschule Zschachemühle besuchen die Kameraden:
Hollbach, Max Hoppe, und Poser.
Alle drei Kameraden bestanden die Prüfung mit Erfolg.
An einem Maschinistenkurs nahmen die Kameraden Gärtner und Max
Hoppe teil.
Die Kassenverhältnisse sind gut und zergliedern sich in
Korpskasse, Nothilfefonds und eiserner Unterstützungsfonds.
Im festlichen Teil ist zu erwähnen: Jubiläumsfeier
unseres Branddirektors Bräuning, das Stiftungsfest,
Einweihungsfeier des neuen Depot, Weihnachtsaufführung mit
Bescherung für 130 Kinder, Gesellschaftsabend in der
"Armbrust". Die Konzert-, Marsch-, Trauer- und Unterhaltungsmusik
führte unsere 20 Mann starke Feuerwehrkapelle unter der
Leitung des Musikmeisters Schreiber aus. Auch zu nationalen
Aufmärschen stellte sich die Musik- sowie unser Spielmannszug
zur Verfügung. Weiter wurden die Kameraden der Musik
verpflichtet, bei Großfeuer und sonstigen
Katastrophenfällen Signal- oder Absperrdienste zu leisten.
Dieses war ein kurzer Streifzug durch den Wirkungsbereich der
Freiwilligen Feuerwehr Apolda unter der bewährten
Führung ihres Branddirektors Bräuning. Da nach einer
großen Jahresbegebenheit ist da zu gedenken: Beschaffung des
neuen Feuerwehrdepots.
Mit unermüdlicher Ausdauer und Zähigkeit hat es
Branddirektor Bräuning dahin gebracht, daß wir nun
endlich ein neues Gerätehaus haben. Wenn das neue Depot auch
nicht so ist, wie es zu wünschen wäre, so ist doch
der Anfang gemacht und dem Nachfolger Branddirektor Bräunings
bleibt es überlassen, die Tat zu vollenden, damit auch Apolda
zu einem der Neuzeit entsprechenden Feuerwehrdepot kommt.
Durch die wegen Erreichung des Dienstalters erfolgte Beurlaubung
unseres Branddirektor Bräuning wurde sein Stellvertreter
Franke zum kommissarischen Branddirektor eingesetzt. Weiter wurde die
Wehr so umorganisiert, daß sie zu jeder Zeit zur Stelle ist
und eingreifen kann, wenn die Pflicht in Not und Gefahr ruft.
Getreu dem Wahlspruche: "Am guten Alten in Treue halten, aber auch am
Neuen sich kräftig freuen" schließe ich hiermit
meinen Bericht.
Apolda, den 31. Dezember 1934
Hollbach,
Brandmeister und Adjutant."
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