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Blitzschlag in Oberleitung und viele
volle Keller
Diesellok musste ICE von Niedertrebra nach Leipzig schleppen
Das Unwetter am Donnerstagabend hat im Altkreis Apolda zahlreiche Keller,
Wohnungen und Unterführungen unter Wasser gesetzt, Äste abgebrochen und
Straßen mit einer Schlammschicht überzogen. Hart traf es auch die rund
400 Reisenden des ICE von Frankfurt/Main nach Leizig, der bei Niedertrebra
stehen blieb. Ein Blitz hatte gegen 18.45 Uhr in den Fahrtleitungsmasten
eingeschlagen und über 200 Meter Oberleitung beschädigt.
"Das Problem war, das dadurch auch die Klimatechnik im Zug ausgefallen ist",
berichtete gestern Bahn-Sprecher Jörg Böhnisch im TA-Gespräch. Um die
Wartezeit bei diesen Temperaturen einigermaßen erträglich zu gestalten,
habe das Zugpersonal alle Türen der gleisabgewandten Seite geöffnet und
kostenlos alkoholfreie Getränke gereicht.
Eine Diesellok sollte den ICE anschließend aus der stromlosen Zone
herausziehen. Es stellt sich jedoch heraus, so Böhnisch, dass dessen Bügel
nicht mehr zu benutzen waren. "So blieb uns nichts anderes übrig, als den
Zug mit der Diesllok die komplette Strecke bis nach Leipzig schlepen zu
lassen." Nach einem weiteren Zwischenstopp in Naumburg zum Lüften sei der
ICE schließlich um 22.35 Uhr mit vierstündiger Verspätung in der Messestadt
angekommen.
Auch das Gleis in der Gegenrichtung war jedoch wegen eines stehenden Güterzuges,
dessen Lokführer weder über Zugfunk noch über Handy erreichbar war,
gesperrt. "Unser Notfallmanager musste zu Fuß hin und den Lokführer anweisen,
behutsam weiterzufahren", berichtete Höhnisch. Bis das Gleis schließlich
gegen 21.30 Uhr geräumt war, mussten 38 Züge zwischen Leipzig und Erfurt
über Sangerhausen umgeleitet werden. Um 2.55 Uhr gestern war die beschädigte
Oberleitung bei Niedertrebra repariert, seit 3 Uhr läuft der Zugverkehr
auch wieder völlig normal.
Alle Hände voll zu tun hatten natürlich auch die Feuerwehren in der Region
Apolda. Für die Glockenstädter Kameraden begann der Einsatz um 18.04 Uhr,
das letzte Fahrzeug kehrte um 21.12 Uhr ins Depot zurück. Insgesamt
22 Einsätze im Stadtgebiet waren laut Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe zu
verzeichnen. Überwiegend hieß es, unter Wasser stehende Keller leer zu
pumpen. Aber auch der starke Wind mischte mit und brach kleinere Bäume und
Äste ab. Auf diese Weise wurde der Brunnen am Engang zur Schötener Promenade
in Mitleidenschaft gezogen. Keine Hilfe konnten die Kameraden in der
Käthe-Kollwitz-Straße leisten: Dort hatte das Wasserdas Erdreich aus dem
Garten in die Wohnung gespült. " Unsere Pumpen sind einfach nicht für
Schlamm geeignet", schilderte Knobbe das Problem. Vor ganz unterschiedlichen
Aufgaen sahen sich die Ortschafts-Wehren gestellt: Während die Moorenthal-Wehr
die Apoldaer in der Stadt unterstützten, pumpten die Oberroßlaer bei
sich ebenfalls Keller aus. Die Zottelstedter wiederum waren laut Knobbe
damit beschäftigt, ihre Hauptstraße von den herunter gespülten Schlammmassen
zu reinigen.
"Auf den Dörfern war volle Besetzung, auch bei uns war fast alles draußen",
berichtete der Stadtbrandinspektor. Fahrzeuge standen fast keine mehr im
Depot. 35 Kameraden waren allein in der Stadt aktiv.
In den Gemeinden des Altkreises waren zudem die Wehren aus Oßmannstedt,
Bad Sulza, Liebstedt, Wickerstedt und Wersdorf im Einsatz. Auch sie hatten
es zumeist mit voll gelaufenen Kellern zu tun.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" vom 07.06.2003)
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