| |
Rundflug übern Pausenhof
Feuerwehr und Grundschule Herressen-Sulzbach probten für den Gefahrenfall
SULZBACH.
"Verena fehlt!" Gabriele Vollbrecht, Leiterin der Grundschule in Sulzbach,
zählte ihren Schützling und Mitarbeiter, die gestern Vormittag dem warnenden
Ruf der Sirene nach draußen gefolgt waren. Punkt 10.45 Uhr hatte die Schule
Brandalarm ausgelöst. 77 Schüler, fünf Lehrer, vier technische Kräfte und
eine Erzieherin räumten das Haus binnen zwei Minuten. Eine fehlte jedoch
auf dem Pausenhof, die siebenjährige Verena.
Die Erstklässlerin war kurz zuvor noch einmal ins Kellergeschoss des
Schulgebäudes gegangen, wollte zum Hausmeister in den Werkraum. Als sie
den Alarm bemerkte, war der Fluchtweg zum Haupteingang des Hauses bereits
versperrt. Ein solches Szenario legte die Grundschule im Apoldaer Ortsteil
ihrer Evakuierungsübung zu Grunde, die planmäßig einmal pro Jahr ansteht.
Apoldas Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe, den die Schule vorab in die
Planung mit einbezogen hatte, parkte mit seinem Einsatz-VW schon fünf
Minuten vor dem Alarm an der Schule. "In erster Linie ist das eine Übung
der Schule selbst. Doch da wir im Ernstfall sowieso vor Ort sind, haben
wir uns auch an dieser Übung beteiligt, aber eben eher als Beiwerk",
erläuterte Knobbe. Im vergangenen Jahr handhabten es die Apoldaer Brandschützer
beispielswiese im Gymnasium, in der Werner-Seelenbinder-Schule
und in der Schule am Schötener Grund ebenso. Die Alarmierung der
Moorental-Feuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Apolda erfolgte
diesmal still - also nicht über Sirene, sondern über Funk. Nachdem die
Schulklingel drei Mal ertönte und damit Feuer meldete, ließ der
Stadbrandinspektor allerdings erst gut fünf Minuten verstreichen, bis
er die Kameraden aus Oberndorf und Apolda anforderte. Denn diese saßen
im Wissen um die Übung schon abrufbereit in ihren Depots. "Unter
realistischen Bedingungen würde es acht bis neun Minuten dauern, bis
die Kameraden im Depot und dann vor Ort sind", sagte Knobbe. Deshalb
das Warten, dann erst der Funkspruch.
Nach wenigen Augenblicken waren aber bereits die Martinshörner der
Einsatzfahrzeuge zu hören. Die Moorental-Wehr bog mit einem Tanklöschfahrzeug
aufs Schulgelände, die Apoldaer Stadtfeuerwehr folgte
mit der Drehleiter. Der Mischung aus Schrecken und Staunen, die den
meisten der ausharrenden Sprösslinge in die Gesichter geschrieben
stand, konnte Ingo Knobbe jedoch schnell an den ängstlichen Teil nehmen.
"Es handelt sich Gott sei dank nur um eine Übung", beruhigte er die
Kinder gleich, als die Feuerwehren eintrafen.
Die Neugier wich freilich nicht. Und so wurde die Übung für die Steppkes
zum spannenden unterhaltsamen Vormittag. Natürlich tauchte auch Verena
wieder auf, allerdings nicht im Keller, wo man sie wähnte, sondern an
einem Fenster in der ersten Etage. Feuerwehrleute hatten sie dorthin
gebracht, um sie mit der Drehleiter zu bergen. So durfte sich die
Siebenjährige im Rettungskorb einen kleinen Rundflug über den Pausenhof
gefallen lassen. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte,
ernteten die Kleine und ihre Retter reichlich Applaus. Und mancher der
Schüler mochte sich wohl wünschen, auch so einen Papa zu haben wie
Verena. Denn ihr Vater, der Oberndorfer Frank Urbach, hielt als Wehrführer
die Moorental-Feuerwehr bei der Übung die Fäden sicher in der Hand.
Artikel von Jens Lehnert "Thüringer Allgemeine vom 19.03.2003)
|
|