Evakuierungsübung in der Grundschule Herressen-Sulzbach
18.03.2003



 

GESCHAFFT: Wohlbehalten lieferte die Feuerwehr die kleine Verena um 11 Uhr wieder bei ihren Klassenkameraden ab. Die warteten geduldig auf dem Pausenhof.

 


 
Rundflug übern Pausenhof
Feuerwehr und Grundschule Herressen-Sulzbach probten für den Gefahrenfall


SULZBACH.
"Verena fehlt!" Gabriele Vollbrecht, Leiterin der Grundschule in Sulzbach, zählte ihren Schützling und Mitarbeiter, die gestern Vormittag dem warnenden Ruf der Sirene nach draußen gefolgt waren. Punkt 10.45 Uhr hatte die Schule Brandalarm ausgelöst. 77 Schüler, fünf Lehrer, vier technische Kräfte und eine Erzieherin räumten das Haus binnen zwei Minuten. Eine fehlte jedoch auf dem Pausenhof, die siebenjährige Verena.
Die Erstklässlerin war kurz zuvor noch einmal ins Kellergeschoss des Schulgebäudes gegangen, wollte zum Hausmeister in den Werkraum. Als sie den Alarm bemerkte, war der Fluchtweg zum Haupteingang des Hauses bereits versperrt. Ein solches Szenario legte die Grundschule im Apoldaer Ortsteil ihrer Evakuierungsübung zu Grunde, die planmäßig einmal pro Jahr ansteht. Apoldas Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe, den die Schule vorab in die Planung mit einbezogen hatte, parkte mit seinem Einsatz-VW schon fünf Minuten vor dem Alarm an der Schule. "In erster Linie ist das eine Übung der Schule selbst. Doch da wir im Ernstfall sowieso vor Ort sind, haben wir uns auch an dieser Übung beteiligt, aber eben eher als Beiwerk", erläuterte Knobbe. Im vergangenen Jahr handhabten es die Apoldaer Brandschützer beispielswiese im Gymnasium, in der Werner-Seelenbinder-Schule und in der Schule am Schötener Grund ebenso. Die Alarmierung der Moorental-Feuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Apolda erfolgte diesmal still - also nicht über Sirene, sondern über Funk. Nachdem die Schulklingel drei Mal ertönte und damit Feuer meldete, ließ der Stadbrandinspektor allerdings erst gut fünf Minuten verstreichen, bis er die Kameraden aus Oberndorf und Apolda anforderte. Denn diese saßen im Wissen um die Übung schon abrufbereit in ihren Depots. "Unter realistischen Bedingungen würde es acht bis neun Minuten dauern, bis die Kameraden im Depot und dann vor Ort sind", sagte Knobbe. Deshalb das Warten, dann erst der Funkspruch.
Nach wenigen Augenblicken waren aber bereits die Martinshörner der Einsatzfahrzeuge zu hören. Die Moorental-Wehr bog mit einem Tanklöschfahrzeug aufs Schulgelände, die Apoldaer Stadtfeuerwehr folgte mit der Drehleiter. Der Mischung aus Schrecken und Staunen, die den meisten der ausharrenden Sprösslinge in die Gesichter geschrieben stand, konnte Ingo Knobbe jedoch schnell an den ängstlichen Teil nehmen. "Es handelt sich Gott sei dank nur um eine Übung", beruhigte er die Kinder gleich, als die Feuerwehren eintrafen.
Die Neugier wich freilich nicht. Und so wurde die Übung für die Steppkes zum spannenden unterhaltsamen Vormittag. Natürlich tauchte auch Verena wieder auf, allerdings nicht im Keller, wo man sie wähnte, sondern an einem Fenster in der ersten Etage. Feuerwehrleute hatten sie dorthin gebracht, um sie mit der Drehleiter zu bergen. So durfte sich die Siebenjährige im Rettungskorb einen kleinen Rundflug über den Pausenhof gefallen lassen. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, ernteten die Kleine und ihre Retter reichlich Applaus. Und mancher der Schüler mochte sich wohl wünschen, auch so einen Papa zu haben wie Verena. Denn ihr Vater, der Oberndorfer Frank Urbach, hielt als Wehrführer die Moorental-Feuerwehr bei der Übung die Fäden sicher in der Hand.
Artikel von Jens Lehnert "Thüringer Allgemeine vom 19.03.2003)

 




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