Hauseinsturz in der Ackerwand
27.05.2003





 
Wie eine Bombe
Einstürzender Giebel begrub Auto unter sich und beschädigte Nachbarhaus


"Es hat einen Schlag getan wie eine Bombe - ich bin im Bett richtig hochgefahren." Die vergangene Nacht wird Doreen Schnicke so schnell wohl nicht vergessen. Ein Teil des Giebels vom Nachbarhaus Ecke Bahnhofstraße/Ackerwand war in Richtung ihres Domizils gestürzt, beschädigte die Außenwand und begrub ihr Auto unter den Trümmern.
Dienstag 23.55 Uhr: Die nur wenige Meter vom Schauplatz entfernte Polizei wird alarmiert. In der Ackerwand habe es einen großen Knall gegeben, wonach eine riesige Staubwolke aufgestiegen sei. Minuten später sind die Beamten am Ort des Geschehenes. Gemeinsam mit der Feuerwehr untersuchen sie erst einmal, ob Menschen unter den Trümmern verschüttet worden sind. Als das ausgeschlossen werden kann und auch klar ist, dass das eingestürzte Haus leer stand, atmen die Einsatzkräfte auf.
Dennoch erinnerte das Bild, das sich gestern dem Betrachter bot, an TV-Bilder eines Sprengstoffattentats. Der Opel Astra, der zwischen den Gebäuden parkte war nur noch ein von Ziegelsteinen und Balken bedeckter Blechhaufen. "Ich hatte um 23 Uhr noch die Balkontür geöffnet und die Handtücher rein geholt", erzählt Doreen Schnicke. Zu diesem Zeitpunkt sei alles noch ruhig gewesen. Eine knappe Stunde später war es mit der idyllischen Sommernacht auf einen Schlag vorbei: "Das ganze Haus hat gezittert, ich dachte, es ist vielleicht ein Erdbeben." Ihr Freund sei zum Balkon gegangen, um nachzusehen. Dort lagen bereits Steine - eine dichte Staubwolke hüllte die unwirkliche Szenerie ein.
"Wir sind dann für die restliche Nacht zu meinem Freund", berichtet die 26-Jährige. "Wir waren fix und fertig und haben höchstens zwei bis drei Stunden geschlafen." Gestern konnten sie zwar wieder zurückkehren, mussten aber in einem anderen Teil des Gebäudes schlafen.
Ziemlich fassungslos betrachtete am Vormittag auch Kerstin Rößler, die Eigentümerin des Wohn- und Geschäftshauses, in dem Doreen Schnicke wohnt, das entstandene Chaos. Dach, Fassade, Balkon, Türen, Vordach ... alles wurde stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. einfach zerstört. Jetzt stelle sich natürlich erst einmal die Frage, wer das alles bezahle, sorgt sie sich natürlich.
Die Kripo hat bei ihren Ermittlungen vor Ort festgestellt, dass der Einsturz ohne Fremdeinwirkung zu Stande gekommen ist, bestätigte Andreas Tamm, stellvertretender Apoldaer Polizeichef. Der Giebel sei allem Anschein nach aus Altersschwäche eingestürzt.
Das Gebäude wurde um das Jahr 1900 herum erbaut und lange Jahre gewerblich genutzt. Seit 1993 steht es leer, bestätigte die Bauaufsicht auf TA-Nachfrage. Eigentümerin sei eine Erbengemeinschaft. Mehr könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht gesagt werden. Von seiten des Amtes habe es auf alle Fälle keine Versäumnisse gegeben, jeder Eigentümer eines Hauses sei selbst für die öffentliche Sicherheit im Umfeld verantwortlich. Die Bauaufsicht werde in diesem Zusammenhang auch keine rechtlichen Schritte einleiten. Allerdings habe man die Eckolsätdter Baufirma Streuber mit einer Notsicherung des altersschwachen Gebäudes beauftragt. Abgerissen werde darüber hinaus nichts.
Gleich nach dem Einsturz ließ die Polizei aus Sicherheitsgründen die Fahrbahn im Bereich Ackerwand zwischen der Dornsgasse, und der Bahnhofstraße für den Verkehr und den Fußweg entlang des Gebäudes sperren. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Sperrung wieder aufgehoben.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" vom 28.05.2003)

 


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