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Wie eine Bombe
Einstürzender Giebel begrub Auto unter sich und beschädigte Nachbarhaus
"Es hat einen Schlag getan wie eine Bombe - ich bin im Bett richtig hochgefahren."
Die vergangene Nacht wird Doreen Schnicke so schnell wohl nicht
vergessen. Ein Teil des Giebels vom Nachbarhaus Ecke Bahnhofstraße/Ackerwand
war in Richtung ihres Domizils gestürzt, beschädigte die Außenwand und begrub
ihr Auto unter den Trümmern.
Dienstag 23.55 Uhr: Die nur wenige Meter vom Schauplatz entfernte Polizei
wird alarmiert. In der Ackerwand habe es einen großen Knall gegeben, wonach
eine riesige Staubwolke aufgestiegen sei. Minuten später sind die Beamten am
Ort des Geschehenes. Gemeinsam mit der Feuerwehr untersuchen sie erst einmal,
ob Menschen unter den Trümmern verschüttet worden sind. Als das ausgeschlossen
werden kann und auch klar ist, dass das eingestürzte Haus leer stand, atmen
die Einsatzkräfte auf.
Dennoch erinnerte das Bild, das sich gestern dem Betrachter bot, an TV-Bilder
eines Sprengstoffattentats. Der Opel Astra, der zwischen den Gebäuden parkte
war nur noch ein von Ziegelsteinen und Balken bedeckter Blechhaufen.
"Ich hatte um 23 Uhr noch die Balkontür geöffnet und die Handtücher rein
geholt", erzählt Doreen Schnicke. Zu diesem Zeitpunkt sei alles noch ruhig
gewesen. Eine knappe Stunde später war es mit der idyllischen Sommernacht
auf einen Schlag vorbei: "Das ganze Haus hat gezittert, ich dachte, es ist
vielleicht ein Erdbeben." Ihr Freund sei zum Balkon gegangen, um nachzusehen.
Dort lagen bereits Steine - eine dichte Staubwolke hüllte die unwirkliche
Szenerie ein.
"Wir sind dann für die restliche Nacht zu meinem Freund", berichtet die
26-Jährige. "Wir waren fix und fertig und haben höchstens zwei bis drei
Stunden geschlafen." Gestern konnten sie zwar wieder zurückkehren, mussten
aber in einem anderen Teil des Gebäudes schlafen.
Ziemlich fassungslos betrachtete am Vormittag auch Kerstin Rößler, die
Eigentümerin des Wohn- und Geschäftshauses, in dem Doreen Schnicke wohnt,
das entstandene Chaos. Dach, Fassade, Balkon, Türen, Vordach ... alles
wurde stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. einfach zerstört. Jetzt
stelle sich natürlich erst einmal die Frage, wer das alles bezahle, sorgt
sie sich natürlich.
Die Kripo hat bei ihren Ermittlungen vor Ort festgestellt, dass der Einsturz
ohne Fremdeinwirkung zu Stande gekommen ist, bestätigte Andreas Tamm,
stellvertretender Apoldaer Polizeichef. Der Giebel sei allem Anschein nach
aus Altersschwäche eingestürzt.
Das Gebäude wurde um das Jahr 1900 herum erbaut und lange Jahre gewerblich
genutzt. Seit 1993 steht es leer, bestätigte die Bauaufsicht auf TA-Nachfrage.
Eigentümerin sei eine Erbengemeinschaft. Mehr könne aus datenschutzrechtlichen
Gründen nicht gesagt werden. Von seiten des Amtes habe es auf alle
Fälle keine Versäumnisse gegeben, jeder Eigentümer eines Hauses sei selbst
für die öffentliche Sicherheit im Umfeld verantwortlich. Die Bauaufsicht
werde in diesem Zusammenhang auch keine rechtlichen Schritte einleiten.
Allerdings habe man die Eckolsätdter Baufirma Streuber mit einer Notsicherung
des altersschwachen Gebäudes beauftragt. Abgerissen werde darüber
hinaus nichts.
Gleich nach dem Einsturz ließ die Polizei aus Sicherheitsgründen die Fahrbahn
im Bereich Ackerwand zwischen der Dornsgasse, und der Bahnhofstraße für
den Verkehr und den Fußweg entlang des Gebäudes sperren. Nach Abschluss
der Arbeiten wurde die Sperrung wieder aufgehoben.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" vom 28.05.2003) |
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