| |
Katastrophaler Jahresbeginn
Pferdestall im Großheringer Reiterhof Agthe wurde
gestern Opfer der Flammen
Die Jahreswechsel bringen den Großheringern offenbar kein Glück mehr.
Im Vorjahr stürzte am Neujahrstag eine fünf Meter hohe Stützmauer in sich
zusammen. Nur wenige Tage später standen die Höfe entlang der Ilm und Saale
unter Wasser. Gestern die nächste Neujahrs-Katastrophe: Der Pferdestall
des Reiterhofes Agthe ging in Flammen auf.
"Unfassbar. Das Dach der Scheune haben Agthes gerade neu eingedeckt. Innen
wurde auch erst alles ausgebaut. Und unterm Dach war alles voller Futter
für den Winter. Auch das ist jetzt verbrannt." Entsetzt schaut Bürgermeister
Jens Baumbach und mit ihm zahlreiche Nachbarn und Passanten auf
die etliche Meter hohe Rauchsäule, die an der Camburger Straße den Himmel
trübt. Weit aus Richtung Bad Sulza ist der Qualm nahe der Ilm-Saale-Mündung
zu erkennen. Über 40 Feuerwehrleute, je 20 von den Wehren aus Großheringen
und Bad Sulza sowie drei Apoldaer Kameraden mit einem Tanklöschfahrzeug,
mühen sich vor Ort, das Feuer zu bezwingen. An der Front schießt das Wasser
vom Korb der Drehleiter aus ins Feuer. Hinterm Haus sind die Wehren mit
sieben Spritzen am Werk. Fensterscheiben am zweistöckigen Gebäude bersten
unter dem Wasserdruck. Auf die gesperrte Camburger Straße ergießt sich ein
Strom schmutzigen Löschwassers. Ein geplatzter Schlauch, der sich kurzzeitig
wie eine Schlange in der Luft windet, lässt Schaulustige zurück schrecken
und Retter fluchen .Das Feuer lässt am Ende vom Dach nichts als verkohltes
Gebälk. Dennoch eine Spur von Zuversicht: Weder Mensch noch Tier nehmen
beim Brand Schaden. Den Rauch, der zunächst durchs Scheunendach kräuselte,
bemerkten Agthes selbst. Das Stroh unterm Dach hatte Feuer gefangen. Wie,
ist noch unklar. Hinweise erhoffen sich die Ermittler auch von Luftbildern,
die während des Einsatzes von einem Polizeihubschrauber aus aufgenommen
wurden. Anfängliche Versuche, die Flammen aus eigener Kraft zu löschen,
musste die Familie schnell aufgeben. Kurz nach 14.30 Uhr alarmierten sie
die Retter. Den 38 Pferden, die sich unten im Stall aufhielten, öffneten
sie kurzerhand die Tore, um sie vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen.
Einige Tiere konnten Agthes geordnet nach draußen führen, die meisten
bahnten sich jedoch selbst den Weg. Noch Stunden später waren Helfer in
der Umgebung unterwegs, um die auf Wiesen und Weiden verstreuten Pferde
wieder nach Hause und in Ställe von Freunden zu bringen.
Gegen 15.15 Uhr erhielt die Rettungsleitstelle Rückmeldung, das Feuer
in Großheringen sei unter Kontrolle. Allerdings benötigten die Kameraden
noch einige Zeit, um kleinere Brandnester zu bekämpfen und ein erneutes
Entflammen zu verhindern. Unter einigen, die das dramatische Schauspiel
verfolgten, regte sich jedoch Ärger. Nach deren Ansicht habe es unverständlich
lange gedauert, bis überhaupt Löschwasser an den Spritzen anlag.
Bürgermeister Baumbach bemühte sich, die Vorwürfe zu entkräften. So gibt
es zwar direkt am Reiterhof einen Hydranten. Die Feuerwehren zogen es
jedoch vor, ihr Löschwasser mit zwei leistungsstarken Pumpen aus der
Ilm zu holen. Das habe letztendlich zwar ein paar Minuten länger
gedauert, als den Hydranten anzuzapfen. Allerdings sei nur so die
nötige Menge Wasser verfügbar gewesen, so Jens Baumbach.
(Artikel von Jens Lehnert - "Thüringer Allgemeine" vom 03.01.2004") |
|