Scheunenbrand in Großheringen
02.01.2004



 

RAUCHSÄULE: Aus sieben Rohren schossen die Feuerwehrmänner gestern allein an der Rückfront das Löschwasser in die brennende Scheune. Drei Feuerwehren waren in Großheringen im Einsatz.

 
SICHER: Familie Agthe und Helfer
retteten vor den Flammen, was noch
zu retten war, so auch die Pferdewagen.
QUALM: Meter-
hoch erstreckte
sich die Rauchsäule.


 
Katastrophaler Jahresbeginn
Pferdestall im Großheringer Reiterhof Agthe wurde
gestern Opfer der Flammen


Die Jahreswechsel bringen den Großheringern offenbar kein Glück mehr. Im Vorjahr stürzte am Neujahrstag eine fünf Meter hohe Stützmauer in sich zusammen. Nur wenige Tage später standen die Höfe entlang der Ilm und Saale unter Wasser. Gestern die nächste Neujahrs-Katastrophe: Der Pferdestall des Reiterhofes Agthe ging in Flammen auf.

"Unfassbar. Das Dach der Scheune haben Agthes gerade neu eingedeckt. Innen wurde auch erst alles ausgebaut. Und unterm Dach war alles voller Futter für den Winter. Auch das ist jetzt verbrannt." Entsetzt schaut Bürgermeister Jens Baumbach und mit ihm zahlreiche Nachbarn und Passanten auf die etliche Meter hohe Rauchsäule, die an der Camburger Straße den Himmel trübt. Weit aus Richtung Bad Sulza ist der Qualm nahe der Ilm-Saale-Mündung zu erkennen. Über 40 Feuerwehrleute, je 20 von den Wehren aus Großheringen und Bad Sulza sowie drei Apoldaer Kameraden mit einem Tanklöschfahrzeug, mühen sich vor Ort, das Feuer zu bezwingen. An der Front schießt das Wasser vom Korb der Drehleiter aus ins Feuer. Hinterm Haus sind die Wehren mit sieben Spritzen am Werk. Fensterscheiben am zweistöckigen Gebäude bersten unter dem Wasserdruck. Auf die gesperrte Camburger Straße ergießt sich ein Strom schmutzigen Löschwassers. Ein geplatzter Schlauch, der sich kurzzeitig wie eine Schlange in der Luft windet, lässt Schaulustige zurück schrecken und Retter fluchen .Das Feuer lässt am Ende vom Dach nichts als verkohltes Gebälk. Dennoch eine Spur von Zuversicht: Weder Mensch noch Tier nehmen beim Brand Schaden. Den Rauch, der zunächst durchs Scheunendach kräuselte, bemerkten Agthes selbst. Das Stroh unterm Dach hatte Feuer gefangen. Wie, ist noch unklar. Hinweise erhoffen sich die Ermittler auch von Luftbildern, die während des Einsatzes von einem Polizeihubschrauber aus aufgenommen wurden. Anfängliche Versuche, die Flammen aus eigener Kraft zu löschen, musste die Familie schnell aufgeben. Kurz nach 14.30 Uhr alarmierten sie die Retter. Den 38 Pferden, die sich unten im Stall aufhielten, öffneten sie kurzerhand die Tore, um sie vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Einige Tiere konnten Agthes geordnet nach draußen führen, die meisten bahnten sich jedoch selbst den Weg. Noch Stunden später waren Helfer in der Umgebung unterwegs, um die auf Wiesen und Weiden verstreuten Pferde wieder nach Hause und in Ställe von Freunden zu bringen.
Gegen 15.15 Uhr erhielt die Rettungsleitstelle Rückmeldung, das Feuer in Großheringen sei unter Kontrolle. Allerdings benötigten die Kameraden noch einige Zeit, um kleinere Brandnester zu bekämpfen und ein erneutes Entflammen zu verhindern. Unter einigen, die das dramatische Schauspiel verfolgten, regte sich jedoch Ärger. Nach deren Ansicht habe es unverständlich lange gedauert, bis überhaupt Löschwasser an den Spritzen anlag. Bürgermeister Baumbach bemühte sich, die Vorwürfe zu entkräften. So gibt es zwar direkt am Reiterhof einen Hydranten. Die Feuerwehren zogen es jedoch vor, ihr Löschwasser mit zwei leistungsstarken Pumpen aus der Ilm zu holen. Das habe letztendlich zwar ein paar Minuten länger gedauert, als den Hydranten anzuzapfen. Allerdings sei nur so die nötige Menge Wasser verfügbar gewesen, so Jens Baumbach.
(Artikel von Jens Lehnert - "Thüringer Allgemeine" vom 03.01.2004")

 


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