Wohnungsbrand in der Dr.-Külz-Straße
08.11.2004



 

FERTIG: Uwe Mohring (l.) und Andreas Ebert nach ihrem Einsatz im brennenden Haus.

 


 
Mutige Männer
Wohnungsbrand mit zwei Verletzten und 50.000 Euro Sachschaden /
Bewohner im Hotel untergebracht


Der Rauch zog bereits in die Fußgängerzone, als im Hintergrund die Feuerwehrsirenen noch zu hören waren. Die Apoldaer Kameraden wurden zu einem Wohnungsbrand gerufen.

APOLDA.
Man brauchte sich gestern Nachmittag kurz vor 15 Uhr nur an den Menschen zu orientieren, die bereits in Dreierreihen in der Fußgängerzone hinter dem Absperrband Position bezogen hatten und wusste so den ungefähren Einsatzort. Aus dem zweiten Obergeschoss in der Dr.-Külz-Straße 9 wabern dicke schwarze Wolken aus den bereits scheibenlosen vier Fenstern zur Straße hin. Für den Innenangriff setzten die Apoldaer Feuerwehrkameraden Andreas Ebert und Uwe Mohring ihre Gesundheit ein. Unter Schutzmaske gingen sie zum Löschen in das Haus, kamen aber zunächst nur bis zum Treppenhaus im 1. Obergeschoss, das bereits brannte. Im 2. Stock aber vermutete die Polizei noch ein Mädchen, nachdem Vater und Mutter zunächst selber versucht hatten, das Feuer zu löschen. Die Eltern wurden leicht verletzt in das Robert-Koch-Krankenhaus zur ambulanten Behandlung gebracht. Weitere sechs Personen wurden aus dem Haus evakuiert. Die Kinder der Familie wurden sehr schnell im Jugendzentrum "Linwurm" und am Gymnasium gefunden, sagte Frank Schmidt, Leiter der Ermittlergruppe, die noch auf Zusatzkräfte der Kirminalpolizei wartete. 15 Polizeibeamte waren bereits mit Sicherungs- und Ermittlungstätigkeit befasst. Auch zwei Einsatzwagen des Rettungsdienstes standen mit den Ärzten in Position.
Die beiden mutigen jungen Feuerwehrkameraden kämpften sich Schritt für Schritt bis zu der lichterloh in Flammen stehenden Wohnung im 2. Obergeschoss vor, konnten dort aber beim besten Willen nicht rein. Kurze Zeit später unten auf der Straße zwei "geschlauchte" junge Männer, es dampfte aus ihrer Uniform, die Hitze von eben stand ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Nachdem die Drehleiter gegen 15 Uhr eingetroffen und die Oberleitung stromlos geschaltet war, wurde der Angriff von außen von zwei anderen Kameraden weiter geführt. Dennoch griff das Feuer auf die Mansardenwohnung darüber über und richtete auch dort großen Schaden an. Wehrführer Ingo Knobbe, eine Hand gestikulierend, die andere am Sprechfunk, organisierte den Feuerwehreinsatz. Und ist nach einer Stunde auf seine 30 Mannen in Uniform stolz. "Keiner verletzt, das Feuer ist aus" - Der Stadtbrandinspektor machte nicht viele, aber die entscheidenden Worte.
Die Polizei vermutete am Tatort eine Gasexplosion, aber die Kriminalpolizei Jena ermittelt noch. Nach bisherigen Erkenntnissen hat eine Verpuffung in der Küche zu dem Brand geführt. Die Wohnung im zweiten Obergeschoss brannte völlig aus. Auch die Wohnungen in Parterre und im 1. Stock sind zur Zeit nicht bewohnbar. Alle Hausbewohner wurden in das Apoldaer Hotel Am Schloss einquartiert. Das Haus stand in dieser Nacht unter Beobachtung der Feuerwehr. Die Brandursache ermittelt die Kriminalpolizei Jena.
(Artikel von André Hess - "Thüringer Allgemeine" vom 09.11.2005)



Hochachtung

Die zwei jungen Feuerwehrleute, die in das brennende Haus sind, um womöglich Menschenleben zu retten, sind die Helden dieses Tages: Andreas Ebert und Uwe Morhing, meine und unsere Hochachtung vor Ihrem Mut und Ihrem Können! Ohne solche Kameraden wäre die Freiwillige Feuerwehr nur die Hälfte wert. Dabei haben sie erschöpft wie sie waren, nicht einmal nach dem Einsatz ihre Namen verraten. Doch der Stadtbrandinspektor machte kein Hehl daraus. Auch er weiß, dass sie, als es darauf ankam, großen Einsatz gezeigt haben. Es hätte ja womöglich noch ein Kind im 2. Stock sein können . Insofern sind Spalier stehende Anwohner und Zaungäste bei einem solchen "heißen" Einsatz auch nicht unbedingt unwillkommen zu nennen. - Wenn sie sich hinter der Absperrlinie bewegen und die Einsatzkräfte nicht behindern. Sehen sie doch auch von Ferne, welche Energie dieser freiwillige Arbeitseinsatz die Feuerwehrleute kostet. Nicht nur die Zwei, aber in dem Falle besonders die beiden mutigen Männer.
(Artikel von André Hess - "Thüringer Allgemeine" vom 09.11.2005)

 


 

ALLES WEG: Der Moment, als die Wohnung lichterloh brannte.

 


 
Hauptsache lebend raus
Apoldaer Familie bedankt sich nach dem Wohnungsbrand für die große Hilfe von vielen Seiten


"Wir stehen nicht alleine da, obwohl wir gar nichts mehr haben." - Das Ehepaar Vater ringt im Hotel um Fassung. Montag Nachmittag ist ihre Wohnung ausgebrannt. Seitdem erfahren sie große Unterstützung.
APOLDA.
Es war das Elternhaus, in dem am Montag in der Külz-Straße im 2. Stock nach einer Verpuffung alles in Flammen stand. Die beiden haben noch versucht zu löschen, aber es war erfolglos. Selbst die mutigen Feuerwehrleute mussten vor der Hitze zurückweichen, einige verletzten sich bei dem Einsatz leicht. "Wir möchten uns bei der Feuerwehr, den Rettungskräften und der Polizei bedanken", sagen die Betroffenen. Die 12 und 15 Jahre alten Kinder waren zum Glück nicht in der Wohnung, die Eltern, die Schwester und eine Freundin nicht im Haus. - "Und wir leben noch." Sie haben Tränen in den Augen, es ist weniger der Schmerz über den materiellen Verlust, es sind die ideellen Werte eines Lebens. Von einer auf die andere Sekunde ausgelöscht. Für immer. Sie bekommen Hilfe von Freunden und Bekannten, Einzelhändler gewähren großzügige Rabatte, sie dürfen im Hotel am Schloss wohnen, die Mitschüler der Kinder gaben Anziehsachen und Spielsachen. Danke sagen sie auch dafür. Jetzt muss zunächst das Haus vor Folgeschäden gesichert werden, bevor es dann saniert werden kann. Weihnachten können sie dort noch nicht erleben. Sie haben wieder einen (vorläufigen) Pass, als nächstes geht es um die Fahrerlaubnis. Auf das Standesamt, das Grundbuchamt ... Vor allem aber suchen sie übergangsweise eine Wohnung, die Kinder brauchen wieder Normalität.
"Es war so schnell alles voll Qualm". Sie sind froh, da lebend rausgekommen zu sein. Das ist es, woran sie sich aufrichten. Und an den tröstenden Worten, finanzieller und materieller Hilfe von Freunden und Fremden. In ihrer schönen Wohnung steckte viel Liebe und Herzblut - und Erinnerung. Alles weg! Sie sehen sich an: "Wir kriegen das in Griff."
(Artikel der Thüringer Allgemeine vom 11.11.2004)

 






zurück zur vorherigen Seite