Wohnhausbrand in der Werner-Seelenbinder-Straße
18.11.2005



 

GROSSBRAND: Die Brandursache im Neubaublock der Werner-Seelenbinder-Straße 35 wird von der Kripo noch ermittelt. Bewohner vermuten abgeschossene Feuerwerkskörper als Auslöser.

 


 
Flammen über vier Etagen
Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei bei einem Hausbrand in Apolda-Nord


Feierabend, Freitag - da heulen Sirenen, flitzen Blaulichter kolonnenweise durch die Stadt. Die rasante Fahrt geht zur Werner-Seelenbinder-Straße. Ein Neubaublock brennt.

APOLDA.
Christian Polifka hat eine Decke umhängen und einen Käfig mit Hasen "Klärchen" in der Hand. Er bemerkte als erster - und offensichtlich einziger, dass die Flammen am Balkon hochschlugen. Polifka wohnt ganz oben, schnappte seine Frau und schrie die Nachbarscahft zusammen. "Es brennt, wir müssen raus!". 28 Apoldaer Feuerwehrleute löschten den Brand, 30 Polizisten waren im Einsatz, die Rettungssanitäter versorgten zwei Leichtverletzte. Einer musste ins Krankenhaus. In Dreierreihe liefen die Anwohner am Wäscheplatz bis an die Absperrbänder zusammen. Der Blick auf die Balkons und scheibenlosen Fenster im Scheinwerferlicht ist gespenstisch. Es wird gemunkelt, dass Feuerwerkskörper die Ursache waren. Seit drei Wochen sollen Jugendliche sich diesen Spaß am Parkplatz erlauben. Offiziell gibt es keine Auskunft. An der Fassade wurde der Wärmeschutz abgehackt, um nach Glutnestern zu suchen. Alle vier Wohnunen sind im Wohnzimmer und Kinderzimmer zerstört. "Unsere renovierte Eigentumswohnung", sagt der Mann mit dem Hasen.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine von André Hess vom 19.11.2005)

 


 

Großbrand in Apolda: In der Werner-Seelenbinder-Straße 35 im Norden der Kreisstadt brach am Freitag gegen 19.20 Uhr ein Feuer aus. Die Bewohner konnten sich vor dem Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehr Apolda ins Freie retten, zwei von ihnen erlitten leichte Verletzungen und mussten ambulant behandelt werden. Die Mieter der Nachbareingänge Nr. 31 und 33 wurden vorsorglich evakuiert, konnten nach Beendigung der Löscharbeiten gegen 20 Uhr aber in ihre Wohnungen zurückkehren. Der größte Schaden entstand an der Fassade des Plattenbaus, die 26 Kameraden um Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe hatten Schlimmeres verhindern können.
(Artikel der "TLZ" vom 19.11.2005)

 


WEITERE BILDER

 

ZERSTÖRT: Die vier Balkons sind vom Feuer zerstört. Brandermittler suchten nach der Ursache. Mit Hilfe der Anwohner stieß die Polizei auf die Täter.

 


 
Vier Jungen sind schuld
Wohnhausbrand mit zwei Verletzten und 100.000 Euro Schaden wurde durch Wunderkerzen ausgelöst


21 Stunden nach Ausbrechen des Brandes im Neubaublock der Werner-Seelenbinder-Straße 35 hatte die Kriminalpolizei Jena die Täter ermittelt. Die Nachbarn hatten es voraus geahnt, dass Pyrotechnik eine Rolle dabei spielte.

APOLDA.
Vier Jungen im Alter von 12 bis 14 Jahren haben das Feuer mit Wunderkerzen entfacht. Damit steckten sie vier Wohnungen im Neubaublock Nr. 35 in Brand, die zurzeit unbewohnt sind. Die Haustür wurde von der Polizei versiegelt. Weiträumig ist das Gebäude abgesperrt. Das Ausmaß der Katastrophe, die sich am Freitag gegen 19.20 Uhr ereignete, wird auf der Rückseite sichtbar. Die vier Balkons sind als solche kaum noch erkennbar, tiefe schwarze Löcher dort zu finden, wo einmal die Wohnzimmer-Scheiben waren.
Der Pkw-Anhänger, auf den ein 14-Jähriger und drei jüngere Kinder aus der Nachbarschaft gebündelt brennende Wunderkerzen geworfen hatten, steht noch unter einem Balkon. Die Wunderkerzen landeten aber auf einem Balkon in der 1. Etage. Von dort fraßen sich die Flammen in Windeseile nach oben und unten. Die Bewohner aus 24 Wohnungen mussten an dem Abend ihr Heim verlassen bzw. wurden evakuiert.
Mit Lautsprecher-Durchsagen der Polizei wurden sie zur Aufnahme ihrer Personalien gebeten. Die Einsatzkräfte brauchten so schnell wie möglich einen Überblick über die Lage der Geretteten. Zwei Bewohner mussten ärztlich behandelt werden. Gegen 20 Uhr hatte die Apoldaer Feuerwehr mit 28 Kameraden den Brand gelöscht. Die Täter richteten einen Brandschaden von rund 100.000 Euro an. Der 14-Jährige ist laut Polizei für seine Tat strafmündig. Die Eltern der anderen Kinder - oder sie selbst in einigen Jahren - werden privatrechtlich zur Verantwortung gezogen. Dabei sollen die Jungs schon mehrmals zuvor Feuerwerkskörper in dem Wohngebiet abgefeuert haben. Das es sich bei der Brandursache um Feuerwerkskörper handeln könnte, vermuteten am Freitag mehrere Anwohner, wie diese Zeitung berichtete. Die Polizei hielt sich jedoch in der Brandnacht noch mit einem Urteil zurück Letzlich haben die Hinweise der Anwohner zur schnellen Aufklärung beigetragen und die Brandstifter überführt. Die Wohnungen wurden durch Ruß und Qualm stark in Mitleidenschaft gezogen, können aber nach Aussagen der Brandermittler saniert damit später wieder bewohnt werden.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" von André Hess vom 21.11.2005)

 


 

ENTFERNT: Die völlig zerstörten vier Balkons wurden gestern von der Brandhauswand entfernt.

 
 
Aufräumarbeiten beginnen am Brandhaus

Zwei Tage nach dem verheerenden Brand in der Apoldaer Werner-Seelenbinder-Straße 35 haben die Aufräumarbeiten begonnen. Der Unglücksort vom Freitag ist weiterhin von Schaulustigen gesäumt.

APOLDA.
Gestern wurden die völlig zerstörten Balkons vom Haus abgetragen. In einer der Wohnungen selbst waren Betroffene mit Versicherungsvertretern zu Gange. Ein 40-jähriger Mann, der bei dem Brand Verletzungen erlitt, konnte inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Eine 64-jährige Frau wird noch in der Klinik behandelt. Die evakuierten vier Familien sind nach Auskunft der Polizei alle bei Verwandten untergekommen.
Apoldas Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe erinnerte sich an einen Flächenbrand am 18. Oktober in der Buttstädter Straße. Auch hier wurde das Feuer durch Feuerwerkskörper ausgelöst. Auf die weitere Suche nach den Brandstiftern wurde jedoch wegen des geringen Schadens verzichtet.
Ein Anwohner meldete sich gestern bei der TA. Er hatte die Jugendlichen Tage zuvor auf der Straße mit Feuerwerkskörpern gesehen - und auch nichts weiter gesagt oder getan.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" von André Hess vom 22.11.2005)

 


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