Wohnhausbrand in der Fichtestraße
23.11.2005



 

Machtlos: Die Kameraden der Apoldaer Stützpunktfeuerwehr um Wehrführer Ingo Knobbe konnten den Dachstuhl des Einfamilienhauses in der Fichtestraße 8 trotz schnellen Einsatzes nicht mehr retten.

 


 
Dachstuhl lichterloh in Flammen
Apolda: Großbrand in Einfamilienhaus



Apolda. Nur zehn Minuten, nachdem sie das Haus verlassen hatte, verlor Familie K. aus Apolda gestern ihr Hab und Gut: Als ihre Nachbarn aus der Fichtestraße 10 um 8.13 Uhr die Feuerwehr alarmierten, quoll noch dicker Rauch aus der Esse - doch schon zwei Minuten später hatte sich die Dachhaut geöffnet und die Flammen schlugen meterhoch in den grauen Novemberhimmel. Da war bereits Wehrführer Ingo Knobbe vor Ort eingetroffen und wies seine Kameraden ein. Mit sechs Fahrzeugen - darunter der Drehleiter - waren die Apoldaer Floriansjünger in die Fichtestraße 8 gejagt. Doch weil die Zufahrt zu den Grundstücken in der Sackgasse zu schmal für die Löschfahrzeuge ist, mussten die Kameraden in Windeseile Schläuche bis zum Hydranten in der Müllerstraße ausrollen und kuppeln, ehe sie den Brand förmlich in die Zange nahmen: Ein Trupp richtete den Wasserstrahl von außen auf den inzwischen lichterloh brennenden Dachstuhl, der andere nahm den Weg durchs Gebäude und die Flammen von innen unter Beschuss. Doch die Kameraden konnten nur verhindern, dass das Feuer auf die Wohnräume im Erdschoss übergriff - das Dach war nicht zu retten. Noch Stunden, nachdem das Feuer gelöscht war, quollen Rauchschwaden aus dem verkohlten Balkengerippe. Stück für Stück landeten die Reste vor der Garageneinfahrt und im Garten, denn um an Glutnester heranzukommen und die Gefahr einer erneuten Entzündung zu unterbinden, beräumten die Kameraden, was vom Dach übrig geblieben war. Keine ungefährliche Angelegenheit: Schon bei den Löscharbeiten war ein 26 Jahre alter Feuerwehrmann vom Dach ins erste Geschoss gestürzt, wobei er sich aber glücklicherweise nicht verletzte. Am Nachmittag wurde eine Plane über das Dach gespannt, um das Haus zu sichern - heute nehmen die Experten der KPI die Ermittlungen zur Brandursache auf. Freundliche Geste: Die Nachbarn versorgten Feuerwehr und Polizei, die stundenlang in der Kälte arbeiteten, mit heißem Kaffee.
Das freistehende Einfamilienhaus war 1970 gebaut und nach der Wende saniert sowie um einen Anbau erweitert worden. Die Eigentümer, die gestern Vormittag fassungslos vor ihrem zerstörten Heim standen, hatten nur den Anbau bewohnt. Andreas Tamm, stellvertretender Leiter der PI Apolda, schätzte den Schaden auf 200.000 Euro. Für die Stützpunktwehr war der Großbrand bereits der zweite binnen sechs Tagen: Erst am Freitag wurden durch ein Feuer vier Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus in der Seelenbinderstraße zerstört.
(Artikel der "TLZ" von Sybille Göbel vom 24.11.2005)

 

Stück für Stück beräumten die Kameraden, was vom Dachtuhl noch übrig war. Bei den Löscharbeiten war ein Feuerwehrmann (26) abgestürzt, er blieb aber unverletzt.



 

INFERNO: Vom Haus Fichtestraße 8 blieb nicht mehr viel übrig.

 


 
Drehleiter kam nicht ran
Haus an der Fichtestraße brannte gestern aus / Kripo Jena ermittelt zu den Ursachen


Am Vormittag dokumentierte er mit der Kamera noch tapfer die Löscharbeiten der Feuerwehr. Am Nachmittag musste er sichtbar um Fassung ringen. Gestern brannte das Haus des bekannten Apoldaer Bauingenieurs Jochen Kaiser.

APOLDA.
Nachbar Peter Scholz merkte den dichten Rauch der neben der Esse aus dem Dach des Hauses Fichtestraße 8 drang. "Ruf an, die Esse brennt", rief er seiner Tochter zu. Die alarmierte die Rettungsleitstelle. Um 8.08 Uhr, steht im Protokoll. Als Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe neun Minuten später am Brandort eintrifft, fehlt schon quadratmeterweise Dachhaut und schlagen offene Flammen aus dem Dach. Sofort löst er Großalarm aus. Mit einem Strahlrohr begannen die Kameraden mit dem Angriff von außen. Bald traf Verstärkung ein.
Doch in den verwinkelten Gassen der Lückenbebauung war kein Rankommen. "Ich hätte lieber ein LF 16 direkt vor dem Haus gehabt", sagt Knobbe. Oder die Drehleiter, um von oben wirkungsvoller an die Brandstellen zu kommen. Es dauerte keine halbe Stunde, dann stand der Dachstul in hellen Flammen. Von unten und innen mühten sich die Kameraden, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Ein 26-jähriger Feuerwehrmann stürzte vom Dachstuhl aus in die erste Etage. Doch er hat Glück. Als der Notarzt feststellt, dass ihm nichts fehlt, beteiligt er sich weiter an den Löscharbeiten. Die werden durch Schlauchplatzer kompliziert, aber nicht beeinträchtigt. "Wir sind am Anfang mit sehr hohen Drücken vorgegangen", erläutert Knobbe, "da kann so was passieren."
Erst am Nachmittag ist das Feuer gelöscht, am Abend wird eine Brandwache eingerichtet. Über die Ursachen kann noch nichts gesagt werden. Die Brandermittler der Kriminalpolizei Jena haben Experten vom Landeskriminalamt zur Unterstützung angefordert.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" von Klaus Jäger vom 24.11.2005)

 



 
LKA-Experten ermitteln
Haus an der Fichtestraße soll wieder aufgebaut werden / Brandursache ist noch unklar


Hektisches Treiben am Haus Nr. 8 in der Apoldaer Fichtestraße. Während die Brandermittler noch bei der Arbeit sind, geht es schon wieder um den Neuaufbau des Hauses.

APOLDA.
Was wäre, wenn? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Menschen, die in der Nachbarschaft des Brandhauses wohnen. Vor allem: Was wäre, wenn die Feuerwehr direkt bis an das Haus heran gekommen wäre? Hätte der Brand schneller gelöscht werden können? Wäre der Schaden geringer gewesen?
Überflüssige Spekulation - die Feuerwehr musste eine so genannte Schlauchstrecke aufbauen, um an das im Jahr 1970 gebaute Haus zu gelangen. Und rein vom Gesetz her geht das in Ordnung. Denn obwohl an das Gebäude später ein Anbau kam, damit die heutigen alleinigen Bewohner ihren Platz fanden, hätte es selbst nach heutigem Baurecht so errichtet werden dürfen. Befindet sich der Fußboden des obersten Aufenthaltsraumes nicht höher als sieben Meter über dem Gelände, so die Brandschutzordnung, kann die Feuerwehr tragbare Leitern einsetzen und die Zugangsbreite muss auch nur 1,25 Meter betragen. Das dürfte für die meisten Einfamilienhäuser in Apolda zutreffen. Erst bei höheren Gebäuden, so bestätigte Karsten Schreiber von der Bauaufsicht, müssen die Durchfahrten breiter sein.
Bauingenieur Jochen Kaiser will sein Haus wieder aufbauen. Viel sei zerstört worden, vor allem durch das Feuer, aber auch durch das Löschwasser. Viele Erinnerungen. Dokumente, die man vielleicht erst in Jahren braucht. Noch am Mittwoch wurde von der Firma Dietsch und mit Unterstützung der Feuerwehr das Dach notgesichert.
Zur Brandursache kann bislang nur wenig Konkretes gesagt werden. "Man kann elektrische Leitungen und Anlagen die sich im Dachstuhlbereich befanden, nicht als Ursache ausschließen", sagte gestern Jenas Polizeisprecher Sven Opitz. Die Experten von Kripo Jena und Landeskriminalamt befinden sich vor Ort.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" vom 25.11.2005)

 


zurück zur vorherigen Seite