Gefahrguteinsatz im Schlachthof Nohra
11.04.2007



 

LECKSUCHE: Genaue Lagepläne waren für die Einsatzleitung unverzichtbar.

 


 
Wermutstropfen im Ammoniak
Nachträglich wurden in Nohra 13 Leichtverletzte festgestellt / Der wirtschaftliche Schaden ist enorm

Der Ausgang war glücklich. Schadlos ging der Amoniak-Havarie im Schlachthof Nohra dennoch nicht ab. Bei genauer Betrachtung musste das Landratsamt Apolda gestern doch 13 Leichtverletzte einräumen.


NOHRA.

Behörden verkünden gern gute Nachrichten. Im Fall der Ammoniak-Havarie frohlockte das Landratsamt zu früh: Nach vorsorglicher Untersuchung in der Nacht diagnostizierte der leitende Notarzt unter den 184 evakuierten Mitarbeitern 13 Frauen und Männer mit leichten Verletzungen. Sie klagten über Kopfschmerzen und Atembeschwerden, die allerdings nicht stationär behandelt werden mussten. -Angehörige des Katastrophenschutzzuges und der Rettungsdienste hatten vorsorglich alle Betroffenen aufgelistet und betreut.
Den wirtschaftlichen Schaden bezifferte Geschäftsführer Uwe Bernhard gestern mit rund 400.000 Euro. In einer Nachtschicht werden in Nohra 3.000 Schweine geschlachtet, 300 Tonnen Schlachtfleisch verlassen normalerweise das Unternehmen. Durch die Havarie konnten auch die größten Kunden im Lebensmittelhandel nur mit Verspätung beliefert werden. Industriekunden erhielten nach Rücksprache zum Teil geringere oder keine Lieferungen.
Nach Beheben des Defekts an der Kühlleitung hatten Feuerwehrleute die ganze Nacht hindurch Messungen des Ammoniakgehalts durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem der Personal- und Sanitärbereich sowie die Kantine und die anliegenden Räume von den Gasen betroffen waren. Mit dem Lüften sank der Ammoniakgehalt im Laufe der Nacht so weit, dass der Thüringer Landesbetrieb für Arbeitsschutz gestern um 1 Uhr der Wiederaufnahme der Produktion zustimmt. Zuvor hatte auch Dr. Stefan Kleinhans, der Leiter Fleischhygiene im Veterinäramt, grünes Licht für Schlachttiere und Lebensmittel gegeben. Sie wurden von der Havarie nicht beeinflusst.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" von Michael Baar)

 


 

AUSWEG: Zehn der 184 Mitarbeiter mussten über die Drehleiter evakuiert werden.

 


 
Havarie bei Weimars Wurst
Schlachthof Nohra evakuiert / Ammoniak-Defekt im Kühlsystem / Einsatz bis tief in die Nacht

Großeinsatz für Feuerwehren, Polizei und Rettungsdienste aus Weimar und dem Weimarer Land. Der Weimarer Schlachthof in Nohra musste gestern Abend k omplett evakuiert werden. Nachdem aus einem Leck im Kühlsystem Ammoniak austrat.


NOHRA.

Havarie bei der Weimarer Wurst. Gegen 18.30 Uhr wurde im Schlachthof der Weimarer Wurstwaren gestern Alarm ausgelöst. Aus einem der beiden Kühlsysteme war Ammoniak ausgetreten. Die ätzende und in hohen Dosen lebensbedrohliche Substanz verdampfte und hüllte einen Teil des Großbetriebes in eine giftige Wolke.
Weimars Berufsfeuerwehr übernahm vor Ort die Einsatzleitung. Weil die Dimension der Havarie zunächst nicht überschaubar war, rückten neben den freiwilligen Wehren aus Weimar auch sieben Wehren des Kreises aus: Nohra, Obergrunstedt und Ulla, aber auch Bad Berka, Apolda, Bad Sulza und Niederroßla einschließlich des Gefahrgutzuges beorderte die Rettungsleitstelle nach Nohra.
Die Evakuierung der 184 Mitarbeiter lief da bereits auf Hochtouren. Eng wurde es für zehn Menschen in der Kantine. Sie musste die Berufsfeuerwehr mit ihrer Drehleiter aus dem Gebäude befreien, da ihnen der Weg durchs ammonaikbelastete Treppenhaus abgeschnitten war. Später am Abend, als die Gefahr gebannt schien, konnte sich Geschäftsführer Uwe Bernhard über eine reibungslose Räumung freuen. Erst im Vorjahr hatte das Unternehmen diesen Ernstfall geprobt.
Ein Mitarbeiter harrte derweil im Betrieb aus. Techniker Jörg Zimmermann hatte die Kühlmaschine in Betrieb zu halten. Wäre sie ausgefallen, stand zu befürchten, dass sich noch mehr des schnell verdampfenden Ammoniaks verflüchtigt.
Mit zwei Trupps machten sich Feuerwehrleute unter Vollschutz auf die Suche nach dem Leck im Kühlsystem. Es dauerte bis gegen 20 Uhr, als Technik-Leiter Bernhard Kind beruhigen konnte: "Das Leck ist gefunden." Ein Magnetventil hatte das Kühlmittel entweichen lasen, von dem sich zwölf Tonnen im System befinden.
Für die mindestens 130 Einsatzkräfte erledigte sich die Arbeit damit freilich nicht. Messtrupps waren unterwegs, um die Ammoniak-Konzentration festzustellen, die teilweise das 15-fache jenes Grenzwertes überstieg, der als gesundheitlich unbedenklich gilt. Für die evakuierten Mitarbeiter hatte die Polizei drei Stadtbusse geordert. Rettungsdienste bauten eine Versorgungsstation auf. Die Kantinenchefin sorgte für Tee.
Gegen 22 Uhr stand fest: Niemand hatte gesundheitlich Schaden genommen. Offen blieb allein, ob die Nachtschicht noch den Betrieb aufnehmen könnte.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" von Michael Baar vom 13.04.2007)

 


 

Die Chemikalienschutzanzugträger der Bad Berkaer Feuerwehr suchten nach dem Leck im Kühlsystem des Schlachthofs.

 


 
Ammoniak-Alarm in Nohra
Havarie im Kühlsystem: 200 Mitarbeiter aus Wurstwarenfabrik gerettet

Nohra. Eine Havarie im Kühlsystem führte gestern Abend zur Evakuierung des gesamten Schlachthofs der in Nohra (Weimarer Land) ansässigen Weimar Wurstwaren GmbH. Durch ein Leck war flüssiges Ammoniak ausgetreten. 100 Leute der Berufsfeuerwehr Weimar, des Katastrophenschutzes Bad Berka und weiterer freiwilliger Feuerwehren waren im Einsatz. 200 im Schichtdienst Beschäftigte hielten sich im Schlachthof auf und mussten stundenlang eine Zwangsarbeitspause einlegen: Vor seiner Wiederaufnahme der Schicht musste der Betrieb vom Amt für Arbeitsschutz freigegeben werden. Schwer verletzt wurde niemand, doch klagten etliche Mitarbeiter über Atembeschwerden. Die Behörden sprachen von 13 Leichtverletzten. Ammoniak kann Schleimhäute, Lungen und Augen verätzen.
(Artikel der "TLZ" vom 12.04.2007)

 


 

Vier Männer der Spezialeinheit für Katastrophenschutz Bad Berka stiegen gestern in die Chemikalienschutzanzüge. Das Leck im Schlachthof spürten sie gegen 20.30 Uhr auf.

 


 
Letztes Stündlein schlug viel später
Ammoniak-Havarie bei der Weimarer Wurstwaren GmbH

Nohra. "Freilich kann man Ammoniak binden. Am einfachsten mit Wasser", sagt Bernhard Kind. Das einzige Problem, das der Technische Leiter des Nohraer Schlachthofs, vor allem aber die Katastrophenschützer und die Einsatzleitung der Weimarer Berufsfeuerwehr hatten, war, das Leck zu finden, durch das das giftige Kühlmittel gestern austreten konnte.
Rund 100 Einsatzkräfte der Weimarer Berufsfeuerwehr waren gestern Abend zum Schlachthof der Weimarer Wurstwaren GmbH nach Nohra ausgerückt. Allein vier Männer der Bad Berkaer Spezialeinheit für Katastrophenschutz waren in Chemikalienschutzanzügen gestiegen, um sich auf die Suche nach dem Leck zu machen. Vermutet werden musste es in der Nähe der Kantine. Dort zumindest war der stechende Ammoniakgeruch bemerkt worden, der den Alarm ausgelöst und die Evakuierung des gesamten Komplexes nach sich gezogen hatte. 184 Leute schoben zu der Zeit ihren Schichtdienst im Schlachthof. Auf den ersten Blick wirkten die an der frischen Luft versammelten Arbeiter, die allesamt noch in ihren weißen Hygiene-Anzügen steckten, wie die Teilnehmer eines Ärzte-Kongresses. Da sie all ihre persönliche Habe im Betrieb zurück lassen mussten, begannen die meisten bald zu frieren. Einige Mitarbeiter klagten über Atembeschwerden und wurden ärztlich betreut.
Gegen 20.30 Uhr war das Leck zwar gefunden, an eine Wiederaufnahme der Arbeit jedoch nicht zu denken. Der Betrieb war nach Redaktionsschluss vom Amt für Arbeitsschutz Erfurt auf Einhaltung der zulässigen Ammoniak-Höchstkonzentration überprüft worden. Parallel untersuchte der Amtstierarzt die Lagerbestände auf Rückstände.
Die einzigen, die Vorteil aus der Havarie zogen, waren die Schlachttiere, deren letztes Stündlein in der Nacht hätte schlagen sollen. Sie hatten ein paar Stunden, mehr vom Leben.
(Artikel der "TLZ" von Sabine Brandt vom 12.04.2007)

 


 
ZUR SACHE


Ammoniak ist ein stark stechend riechendes, farbloses und giftiges Gas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt. Die Dichte von Ammoniakgas ist geringer als die Dichte der Luft.
Ammoniak wirkt auf feuchte Körperoberflächen ätzend. Insbesondere feuchte Haut, Schleimhäute, Lungen und Augen werden daher verätzt. Geschluckt ruft es blutiges Erbrechen mit heftigen Schmerzen und eingeatmet Lungenschäden hervor, unter Umständen mit tödlichem Ausgang. Ammoniak ist eines der wichtigsten und häufigsten Produkte der chemischen Industrie. Daneben wird flüssiges Ammoniak wegen seiner hohen Verdampfungswärme in Kältemaschinen eingesetzt. (Quelle: Wikipedia)

 


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