Ammoniakaustritt bei Papalina
12.11.2007



 

IN SICHERHEIT: Die Belegschaft harrte in einem Zelt der Feuerwehr aus.

 




 
Chemie-Unfall bei Papalina

97 Beschäftigte nachts evakuiert / Lehrbuchhafte Rettung / Ursache untersucht der TÜV


Das Austreten einer noch nicht geklärten Menge Ammoniak führte in der Nacht zum Dienstag zu einem Großeinsatz der Apoldaer Feuerwehr bei der Pizzafabrik Papalina. Dabei zeigten sich sowohl die Belegschaft als auch die Feuerwehr bestens für eine solche Havarie präpariert - es gab dabei keine Verletzten.

APOLDA.

Montagabend, 23.20 Uhr. An einem Kühlaggregat in der Pizzafabrik Papalina reißt eine Rohrleitung. Flüssiges Ammoniak, das hier als Kühlmittel eingesetzt wird, tritt aus. Die Brandmeldezentrale der Fabrik schlägt automatisch Alarm. Der läuft nicht nur in der Rettungsleitstelle auf, sondern auch in der hauseigenen Alarmierung. Was dann passiert, könnte direkt aus einem Lehrbuch stammen.
Die Sicherheitsventile riegeln automatisch die Ammoniakleitung ab, so dass nur noch die Ammoniakreste aus der beschädigten Leitung austreten können. Die Belegschaft - zum Zeitpunkt des Unfalls 97 Frauen und Männer, eilen zu den so genannten Anlaufpunkten. Produktionsleiter Karsten Sandkaulen sammelt sie hinter der Fabrik, gegen den Wind. Eigens zur Festlegung dieses Sammelpunktes gibt es auf dem Dach des Apoldaer Unternehmens einen Windmesser.
Acht Minuten nach Alarmauslösung rollt das erste Feuerwehrauto vor die Werkstore. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft schon vollständig evakuiert. Da staunte selbst Apoldas Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe. Ausmaß und Folgen des Chemieunfalles waren noch nicht absehbar, deswegen fuhr die Feuerwehr auf, was sie konnte. "Bei uns stand nicht mehr in der Garage", machte er deutlich. Die 31 Kameraden aus Apolda wurden unterstützt von sieben Feuerwehrleuten aus Oberroßla und später von zwei Kameraden der Berufsfeuerwehr Weimar. Die brachten den Gefahrgutwagen "GwMess" mit, der als Bestandteil des Gefahrgutzuges in Weimar stationiert ist.
Bei laufenden Konzentrationsmessungen sorgte die Feuerwehr buchstäglich für Durchzug im Gebäude, bis Knobbe dem Betriebsleiter Heinz Heckeroth um 2.15 Uhr das Gebäude wieder übergeben konnte. Die Belegschaft musste während dieser Zeit zunächst in einem Zelt der Feuerwehr ausharren - sogar warme Decken gab es. Doch schon nach einer Stunde hatten die Nachbarn im Gewerbegebiet Mitleid: Die Papalina-Frauen durften sich in der Betriebskantine der benachbarten Schär-Werke aufwärmen.
Um das defekte Aggregat kümmerte sich die Wartungsfirma aus Halle, die Heckeroth sofort anrief. 150 Euro beträgt der Schaden - der durch den Produktionsausfall dürfte wesentlich größer sein, obwohl gerade ohnehin eine Linie im Werk wegen Umstellung still stand. Das Aggregat wurde gestern Morgen dem TÜV übergeben. Dessen Techniker untersuchen nun genau die Ursache des Leistungsrisses.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" vom 14.11.2007)

 



(Bilder privat)


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