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Chemie-Unfall bei Papalina
97 Beschäftigte nachts evakuiert / Lehrbuchhafte Rettung / Ursache untersucht der TÜV
Das Austreten einer noch nicht geklärten Menge Ammoniak führte in der Nacht
zum Dienstag zu einem Großeinsatz der Apoldaer Feuerwehr bei der Pizzafabrik
Papalina. Dabei zeigten sich sowohl die Belegschaft als auch die Feuerwehr
bestens für eine solche Havarie präpariert - es gab dabei keine Verletzten.
APOLDA.
Montagabend, 23.20 Uhr. An einem Kühlaggregat in der Pizzafabrik Papalina reißt
eine Rohrleitung. Flüssiges Ammoniak, das hier als Kühlmittel eingesetzt wird,
tritt aus. Die Brandmeldezentrale der Fabrik schlägt automatisch Alarm. Der
läuft nicht nur in der Rettungsleitstelle auf, sondern auch in der hauseigenen
Alarmierung. Was dann passiert, könnte direkt aus einem Lehrbuch stammen.
Die Sicherheitsventile riegeln automatisch die Ammoniakleitung ab, so dass
nur noch die Ammoniakreste aus der beschädigten Leitung austreten können. Die
Belegschaft - zum Zeitpunkt des Unfalls 97 Frauen und Männer, eilen zu den
so genannten Anlaufpunkten. Produktionsleiter Karsten Sandkaulen sammelt
sie hinter der Fabrik, gegen den Wind. Eigens zur Festlegung dieses
Sammelpunktes gibt es auf dem Dach des Apoldaer Unternehmens einen Windmesser.
Acht Minuten nach Alarmauslösung rollt das erste Feuerwehrauto vor die
Werkstore. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft schon vollständig evakuiert.
Da staunte selbst Apoldas Stadtbrandinspektor Ingo Knobbe. Ausmaß und Folgen
des Chemieunfalles waren noch nicht absehbar, deswegen fuhr die Feuerwehr auf,
was sie konnte. "Bei uns stand nicht mehr in der Garage", machte er deutlich.
Die 31 Kameraden aus Apolda wurden unterstützt von sieben Feuerwehrleuten aus
Oberroßla und später von zwei Kameraden der Berufsfeuerwehr Weimar. Die
brachten den Gefahrgutwagen "GwMess" mit, der als Bestandteil des
Gefahrgutzuges in Weimar stationiert ist.
Bei laufenden Konzentrationsmessungen sorgte die Feuerwehr buchstäglich für
Durchzug im Gebäude, bis Knobbe dem Betriebsleiter Heinz Heckeroth um 2.15 Uhr
das Gebäude wieder übergeben konnte. Die Belegschaft musste während dieser Zeit
zunächst in einem Zelt der Feuerwehr ausharren - sogar warme Decken gab es.
Doch schon nach einer Stunde hatten die Nachbarn im Gewerbegebiet Mitleid: Die
Papalina-Frauen durften sich in der Betriebskantine der benachbarten Schär-Werke
aufwärmen.
Um das defekte Aggregat kümmerte sich die Wartungsfirma aus Halle, die Heckeroth
sofort anrief. 150 Euro beträgt der Schaden - der durch den Produktionsausfall
dürfte wesentlich größer sein, obwohl gerade ohnehin eine Linie im Werk wegen
Umstellung still stand. Das Aggregat wurde gestern Morgen dem TÜV übergeben.
Dessen Techniker untersuchen nun genau die Ursache des Leistungsrisses.
(Artikel der "Thüringer Allgemeine" vom 14.11.2007) |
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