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Kyrill wütete bis in die Nacht
Orkan riss die Front des Papalina-Kühlturmes mit sich /
Ganze Ortslagen ohne Strom
Kyrill zeichnet das Weimarer Land. Zum Glück kamen Menschen in der
Region bis gestern Abend nicht zu Schaden. Allerdings fielen dem
Orkan-Tief unzählige Bäume, Dächer, parkende Pkw, Stromleitungen und
selbst Ampeln zum Opfer. Am augenscheinlichsten jedoch: Die gewaltigen
Böen rissen die Fassade des Papalina-Kühlturmes mit sich.
APOLDA.
Jenen, die am Abend einen Blick durch die Absperrungen von Polizei
und Feuerwehr erhaschen konnte, bot sich ein Bild blanker Zerstörung.
Gegen 20 Uhr hat der Orkan die gesamt Front des 30 Meter hohen
Tiefkühlturmes von Papalina weggerissen. Unzählige Fetzen, die einst
die Wand des Hochregallagers zur Bundesstraße hin bildeten, und Teile
der Beplankung wehten übers Betriebsgelände und darüber hinaus auf die
angrenzenden Straßen des Gewerbeparkes B 87. Vor dem erst 2004
errichteten Kühlturm Berge aus Schutt.
Angesichts der Trümmerteile, die sich im Sturm selbstständig machten,
und wegen Einsturzgefahr des Kühl-Riesen sperrten Polizei und Feuerwehr
sowohl die B 87 als auch die Parallelstraßen im Gewerbegebiet. Der
Verkehr Richtung Umpferstedt stand für Stunden still. Wann die
Bundesstraße wieder geöffnet wird, war noch am späten Abend bloße
Spekulation. Mit den Sicherungsarbeiten rund um die Unglücksstelle
waren die Feuerwehren aus Apolda, Rödigsdorf, und Oberroßla bis in
die Nacht hinein beschäftigt.
Stunden zuvor in Niedertrebra: die Bewohner des DRK-Pflegeheimes
saßen in ihren Zimmern, sahen fern - wohl auch die ersten verheerenden
Nachrichten, für die Orkan-Tief "Kyrill" verantwortlich war. Das
"Kyrill" auch auf ihr Heim in Niedertrebra einen mächtigen Baum stürzen
ließ bemerkten sie zunächst nicht. Der stabilen Dachkonstruktion
des erst vor gut sechs Jahren eingeweihten Pflegeheim-Neubau sei Dank.
Küchen-Mitarbeiterinnen hörten kurz nach 16 Uhr den Knall, der von
draußen kam. Der Sturm hatte einen der beiden stattlichen Stämme
der Weide hinterm haus brechen lassen die Krone des Baumes stürzte
auf den benachbarten Heim-Anbau, beschädigte aber zum Glück lediglich
dessen Flachdach. Bis zum Abend mühten sich die Feuerwehren aus
Niedertrebra und Bad Sulza, den schweren Stamm von der Drehleiter
aus Stück für Stück zu zersägen.
Ebenfalls teuer kam der Sturm einen Audi-Fahrer zu stehen, der seinen
Pkw in der Apoldaer Bahnhofstraße geparkt hatte. Ein offensichtlich
kranker Baum am Straßenrand knickte direkt über der Wurzel ab und
fiel geradewegs auf die Motorhaube des Audi. Die Apoldaer Feuerwehr
befreite den Pkw von der Last, der jedoch massiven Blechschaden
zurück behielt.
In Hopfgarten stürzte gegen 18 Uhr ein Baum in der Weimarischen Straße
auf Stromkabel, in der Bad Berkaer Schmalzgrube rissen ebenfalls
Elektroleitungen. Mit Stromausfall mussten sich zudem die Einwohner
Magdalas, Döbritschen sowie Klein- und Großschwabhausen arrangieren.
Im Schötener Grund beschädigte ein umstürzender Baum eine Garage.
Weiteres Gehölz, das der Sturm nachgab, forderte zudem die freiwilligen
Wehren im Landkreis, um auf den Straßen nicht zum Verkehrshindernis
zu geraten. Schwere Äste und ganze Bäume brachen etwa zwischen
Pfiffelbach und Oberreißen, zwischen Kranichfeld und Rittersdorf,
am Radweg zwischen Kranichfeld und Hohenfelden, zwischen Oberndorf
und Kapellendorf, in Kaatschen, Bad Berka, München, Tannroda,
Buttelstedt, Niedersynderstedt, Vippachedelhausen und gleich mehrere
in Apolda. Wegen umgestürzter Bäume musste am Abend auch die B 87
zwischen Bad Berka und Tannroda zeitweise gesperrt werden.
Auch an Häusern mussten die Wehren im Landkreis erste Hilfe leisten.
In Apolda in der Jenaer Straße, in der Bad Sulzaer Salzstraße sowie
in Kleinromstedt, Tannroda fielen heraus gelöste Dachteile von Gebäuden.
In Apoldas Seelenbinderstraße machte sich zudem eine Markise
selbstständig, die die Feuerwehr abtrennte. In der Blankenhainer
Liebknechstraße wurde ein Carport Opfer des Orkans. Das Landratsamt
hielt indes seinen Katastrophenschutz-Stab um den Landrat ab 15 Uhr
ob möglicher Ernstfälle in Rufbereitschaft.
(Artikel von Jens Lehnert aus der "Thüringer Allgemeine" vom 19.01.2007
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