Chemieunfall im Gewerbepark
Katastrophenschutz-Einsatz für Feuerwehren an der B 87 war zum Glück nur eine Übung
Ein Großaufgebot an Feuerwehren rückte am Samstagmorgen in den Gewerbepark an
der B 87 ein. Aus einem Lkw war Acrylnitril ausgetreten. Zum Glück für alle:
Es war nur eine Übung.
APOLDA.
Eine gute halbe Stunde lang hörte Apolda am Samstagmorgen die Sirenen und
Martinshörner der Feuerwehren. Das war kein Wunder - wurden doch insgesamt
sechs Wehren in den Gewerbepark an der B 87 gerufen. Was die Feuerwehrleute
erst vor Ort erfuhren: Das Ganze war eine Übung, wie sie regelmäßig abgehalten
werden muss.
Punkt 8 Uhr flogen die Kameraden der Wehren Oberroßla und Moorental raus. Als
erstangreifende Wehr fanden sie auf dem Gelände von Pumpen-Becker einen Lkw mit
Tankaufbau vor, der offenbar leckgeschlagen war. Acrylnitril war ausgetreten.
Die Rettungsleitstelle wurde informiert, ein Absperrgürtel gebildet. "Völlig
korrekt gehandelt", notierte Standbrandmeister Ingo Knobbe, der die Übung
leitete.
Von der Leitstelle aus wurde der Gefahrgutzug des Kreises alarmiert. Dessen
Technik ist bei verschiedenen Feuerwehren stationiert. Aus Apolda, Weimar,
Bad Berka und Bad Sulza rückten die Kräfte an. Bald standen 14 Fahrzeuge auf
dem Areal, nahm das Führungsgruppenfahrzeug als bewegliche Stabstelle seinen
Standort an der Betriebsausfahrt ein liefen 46 Feuerwehrleute über den Platz -
jeder mit konkreten Aufgaben. Die Führung des Einsatzes wechselte vom Wehrführer
der erstangreifenden Feuerwehr auf Michael Beck. Der 33-jährige Bad Berkaer ist
Zugführer des Gefahrgutzuges. Während unter seiner Regie eine Dekontaminationszelt
am Rand und ein Versorgungszelt außerhalb der Gefahrenzone aufgebaut wurden,
verwandelten sich die ersten Kameraden in Raumfahrer - so sahen sie in ihrem
Chemie-Schutzanzügen aus. Eine halbe Stunde nach der Alarmierung begann wirksam
die Bekämpfung der chemischen Gefahr. "Personenschutz geht vor", begründet
Knobbe die nur schein lange Zeitspanne.
Viele Kameraden hielten sich für die Auswechslung bzw. an den Gefahrgutwagen
bereit. Auf denen wird alles erdenkliche Material transportiert, von der
Brechstange bis zum Falttank, von Ölsperren und Umfüllpumpen bis hin zu
Netzschläuchen und Wathosen.
9.27 Uhr. Einer der Männer in Schutzanzügen sinkt neben dem havarierten Lkw
zusammen: Eine weitere Bewährungsprobe für die Feuerwehrmänner. Denn der Man
muss vor der medizinischen Versorgung zunächst entgiftet werden Wenig später
wird der Verletzte, dem nicht wirklich etwas fehlte, aus dem Sanizelt getragen.
Knobbe anerkennend: "Wieder alles okay."! Um 9.45 Uhr war auch die Leckage am
Lkw abgedichtet und die Gefahr gebannt.
Der Stadtbrandmeister bedankte sich bei der Landesfeuerwehrschule, die den
Übungs-Lkw zur Verfügung gestellt hatte und beim Pumpenbauer Becker. Nur
durch dessen Entgegenkommen war eine Ausbildung in dieser Dimension überhaupt
möglich.
(Artikel von Klaus Jäger der "Thüringer Allgemeine" vom 27.10.2008)